ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015Transplantationen: Gerechtere Vergabe
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. . . Im vergangenen Jahr sind in Deutschland mehr als 21 000 Menschen an einem Unfall verstorben. Die Zahl von 876 Organspendern nimmt sich dagegen bescheiden aus . . .

Da es in Deutschland wegen der großen Zahl der ewigen Bedenkenträger wohl nicht möglich sein wird, eine Organspenderegelung wie in manchen anderen Ländern zu schaffen („wer nicht ausdrücklich widerspricht, ist potenzieller Organspender“), werden wir wegen der „Massenträgheit“ wohl nie ausreichend viele Organe zur Verfügung haben.

Wir wissen alle, dass eine Solidargemeinschaft nur funktionieren kann, wenn das gegenseitige Geben und Nehmen in einem vernünftigen Verhältnis steht. Wir haben aus der Geschichte gelernt, dass es in Zeiten der Ressourcenknappheit immer zu Verteilungsungerechtigkeiten und in schlimmen Fällen auch zu Schwarzhandel und Korruption gekommen ist.

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Einen Vorschlag zur kurzfristigen Verbesserung der Situation habe ich nicht. Wer aktuell auf ein Spenderorgan wartet, muss einfach versuchen zu überleben. Ich habe aber einen Vorschlag, der in ein paar Jahren wenigstens für diejenigen, die selbst seit Jahren einen Spenderausweis haben, eine relative Sicherheit geben könnte, zeitgerecht ein Spenderorgan zu erhalten. Dieser Vorschlag mag vielleicht unpopulär erscheinen, er ist auch streng genommen nicht von mir, sondern aus dem bürgerlichen Gesetzbuch (§ 320 Abs. 1) und entspricht dem alten römischen Rechtsprinzip „do ut des“.

Man könnte ein zentrales Register führen, wo jeder, der im Falle seines Todes seine Organe spenden will, aufgenommen wird. Ein solches Register müsste staatlich geführt werden, nur so kann man einigermaßen sicher sein, dass es nachher nicht wieder „die Ärzte“ waren, wenn es zu irgendwelchen Fehlern gekommen ist.

Dann könnte man festlegen, dass bei der Vergabe von Spenderorganen zuerst Patienten berücksichtigt werden, die selbst seit Jahren einen Organspendeausweis haben. . . . Wer im Register steht, hat Vorrang, wer nicht im Register steht, braucht sich nicht zu beklagen . . . Wenn erst einmal bekannt ist, dass man bei eigenem Bedarf eher ein Spenderorgan bekommt, wenn man selbst einen Spenderausweis hat, hätten wir irgendwann vielleicht auch keine Ressourcenknappheit mehr . . .

Dr. Hans Rudolf Kerner, 60598 Frankfurt am Main

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