ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015Postoperatives Management bei Morbus Crohn: Frühe Koloskopie kann das Rezidivrisiko senken

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Postoperatives Management bei Morbus Crohn: Frühe Koloskopie kann das Rezidivrisiko senken

Heinzl, Susanne

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Operationen sind bei Morbus Crohn selten kurativ, es bleibt ein hohes Rezidivrisiko. In der randomisierten POCER-Studie wurde nach der optimalen Strategie zur Prävention des Rezidivs gesucht. 174 Patienten an 17 Zentren wurden eingeschlossen (1). Alle makroskopisch veränderten Darmabschnitte waren chirurgisch entfernt worden. Die Teilnehmer erhielten postoperativ für 3 Monate Metronidazol. Bei hohem Rezidivrisiko (83 %) wurde zusätzlich mit Azathioprin oder 6-Mercaptopurin oder bei Thiopurinunverträglichkeit mit Adalimumab über 18 Monate behandelt. Die Patienten wurden randomisiert in Gruppen mit aktiver Behandlung (n = 128) oder Standardtherapie (n = 56). Bei aktiver Strategie wurde 6 Monate nach Operation kolos-kopiert, die Behandlung im Sinne einer Step-up-Therapie an die Krankheitsaktivität angepasst. Standard war eine optimale risikoadaptierte Behandlung ohne Koloskopie nach 6 Monaten. Primärer Endpunkt waren Vorliegen und Schweregrad eines endoskopisch nachweisbaren Rezidivs 18 Monate nach der Operation.

Nach 18 Monaten hatten 49 % der aktiv behandelten Gruppe und 67 % der Standardgruppe ein endoskopisch nachweisbares Rezidiv (p = 0,03). Eine normale Mukosa wurde bei 22 % im aktiven Arm und bei 8 % im Standardarm festgestellt. Ein endoskopisch nachweisbares Rezidiv nach 18 Monaten lag bei 18/47 Patienten (38 %) vor, die bereits nach 6 Monaten eine aktive Erkrankung aufwiesen und deren Therapie eskaliert worden war. Bei Patienten, die in Remission blieben und ihre bisherige Therapie fortsetzten, betrug die Rezidivrate nach 18 Monaten 41 % (31/75).

Fazit: Eine aktive Strategie mit früher Koloskopie senkt bei Crohn-Patienten nach einer Operation das Rezidivrisiko im Vergleich zur Standardbehandlung. Auch bei geringem Risiko und bei Patienten in Remission ist ein sorgfältiges, regelmäßiges Monitoring sinnvoll. Die Studie habe zwar überzeugend belegt, dass eine frühe Koloskopie nach der OP bei M. Crohn mit einem besseren Outcome assoziiert sei, aber es gebe noch viele offene Fragen, heißt es im Kommentar (2). So sei die Rezidivrate mit 49 % in der aktiven Gruppe nach 18 Monaten inakzeptabel hoch. Möglicherweise seien Patienten mit Resistenz gegenüber Thiopurinen darunter gewesen und in dieser Gruppe könne ein früherer Einsatz von Adalimumab sinnvoll sein. In kleineren Studien und offenen Untersuchungen habe die Rezidivrate bei postoperativer Anwendung von Biologika nach einem Jahr bei 10 % gelegen. Die optimale Strategie für postoperative Crohn-Patienten liege irgendwo zwischen Abwarten bis zum klinischen Rezidiv und aggressiver Upfront-Biologika-Therapie, die allerdings durch Kosten, begrenzte Anwendbarkeit bei einer lebenslangen Erkrankung und dem Potenzial für unerwünschte Wirkungen limitiert werde. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. De Cruz P, et al.: Crohn’s disease management after intestinal resection: a randomised trial. Lancet 2015; 385: 1406–17.
  2. Ananthakrishnan AN: Surgery for Crohn’s disease: look harder, act faster. Lancet 2015; 385: 1370–1.

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