ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015Primäre Hypercholesterinämie: Alirocumab halbiert den LDL-Wert

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Primäre Hypercholesterinämie: Alirocumab halbiert den LDL-Wert

Reisdorf, Simone

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Der PCSK9-Inhibitor senkt die LDL-Cholesterinspiegel nicht nur deutlich stärker im Vergleich zu Placebo, sondern auch zu Ezetimib.

Ab sofort steht der humanisierte monoklonale Antikörper Alirocumab (Praluent®) zur Therapie erwachsener Patienten mit primärer (heterozygot-familiärer oder nicht-familiärer) Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie zur Verfügung. Er kann zusätzlich zur Diätoptimierung und zu Statinen angewendet werden, auch weitere Lipidsenker wie etwa Ezetimib können damit kombiniert werden. Bei Statinintoleranz oder -kontraindikation kann Alirocumab in Monotherapie verabreicht werden.

Alirocumab bindet an Proprotein-Konvertase Subtilisin-Kexin Typ 9 (PCSK9), verhindert damit die Bindung von PCSK9 an den LDL-Cholesterin-Rezeptor auf Leberzellen und den Abbau des Rezeptors nach Internalisierung. Stattdessen kann der LDL-Rezeptor zur Zelloberfläche zurückkehren und für den weiteren Cholesterinabbau erneut genutzt werden, was letztlich zur Senkung des LDL-Cholesterinspiegels im Blutplasma führt.

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Die empfohlene Anfangsdosis ist 75 mg Alirocumab (als vorgefüllter Einzeldosis-Pen) subkutan alle zwei Wochen. Reicht dies nicht aus, kann die Dosis auf 150 mg verdoppelt werden. Von einer Behandlung mit Alirocumab profitieren laut Prof. Dr. med. Nikolaus Marx, Aachen, unter anderem Patienten mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulären Risiko, die trotz maximaler tolerierter Statindosis nicht ihre LDL-Zielwerte erreichen, sowie Patienten mit Statinintoleranz oder/und mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie, HeFH.

Prof. Dr. med. Andreas M. Zeiher, Frankfurt/Main, präsentierte aktuelle Daten aus dem Phase-III-Studienprogramm ODYSSEY, in das mehr als 23 500 Patienten aus 2 000 Studienzentren eingeschlossen waren.

So nahmen an der Studie ODYSSEY LONGTERM insgesamt 2 341 Patienten teil, die entweder ein hohes/sehr hohes kardiovaskuläres Risiko hatten und mit Statinen nicht ihre Zielwerte erreichten, oder die an HeFH litten. Ihr mittlerer LDL-Cholesterinwert lag zu Studienbeginn bei etwa 122 mg/dL (3,2 mmol/L). Sie wurden auf eine Zusatztherapie mit Alirocumab 150 mg (n = 1 553) oder Placebo (n = 788) randomisiert. „Innerhalb von 24 Wochen wurde der mittlere LDL-Cholesterinspiegel unter Alirocumab um 61 Prozent reduziert, unter Placebo dagegen blieb er mit +0,8 Prozent praktisch unverändert“, zitierte Zeiher die Ergebnisse zum primären Studienendpunkt; das war ein signifikanter Vorteil für Alirocumab (p < 0,001).

Gute Verträglichkeit, aber mehr Injektionsreaktionen

Auch nach 52 und 78 Behandlungswochen zeigten die Patienten unter Alirocumab weiterhin deutlich niedrigere LDL-Cholesterinwerte als unter Placebo. Die Veränderung gegenüber dem Studienbeginn betrug –56,8 Prozent versus +4,4 Prozent beziehungsweise –52,4 Prozent versus +3,6 Prozent.

Die Verträglichkeit war in beiden Gruppen ähnlich, es wurden jedoch unter Alirocumab mehr Injektionsreaktionen (5,9 Prozent versus 4,2 Prozent), Myalgien (5,4 Prozent versus 2,9 Prozent), neurokognitive (1,2 Prozent versus 0,5 Prozent) und ophthalmologische unerwünschte Ereignisse (2,9 Prozent versus 1,9 Prozent) beobachtet als unter dem Scheinmedikament (NEJM 2015; 372: 1489–99).

Zeiher stellte außerdem die Doppelblind-Doppeldummy-Studie ODYSSEY COMBO II vor. Sie schloss 720 Patienten mit Hypercholesterinämie und hohem oder sehr hohem kardiovaskulären Risiko ein, die mit maximal tolerierten Statindosen unzureichend vorbehandelt waren. 479 von ihnen wurden auf eine Add-on-Therapie mit Alirocumab 75 mg randomisiert, das bei Bedarf auf 150 mg aufdosiert werden konnte. Die übrigen 241 Patienten bekamen eine Zusatztherapie mit Ezetimib 10 mg/d.

In Woche 24 war der mittlere LDL-Cholesterinspiegel in der Alirocumabgruppe um 50,6 Prozent verringert und lag nun bei 52 mg/dL oder 1,3 mmol/L. In der Ezetimibgruppe betrug die Reduktion nur 20,9 Prozent und es wurden im Mittel 83 mg/dL oder 2,1 mmol/L gemessen – zu hohe Werte für die meisten der Studienpatienten. Den Zielwert von < 70 mg/dL (< 1,8 mmol/L) erreichten 77,0 Prozent der Patienten der Alirocumab- und 45,6 Prozent der Ezetimibgruppe, der Vorteil für Alirocumab war hochsignifkant mit p < 0,0001. Auch in Woche 52 waren die LDL-Werte unter Alirocumab deutlich niedriger als unter Ezetimib mit 53,3 versus 85,3 mg/dL (1,4 versus 2,2 mmol/L).

Die Zahl der therapiebedingten unerwünschten Ereignisse war in beiden Gruppen ähnlich mit 18,8 Prozent (Alirocumab) versus 17,8 Prozent (Ezetimib). Unter Alirocumab fanden sich mehr Reaktionen an der Injektionsstelle und Leberwerterhöhungen, dafür aber weniger Patienten mit neurokognitiven Erkrankungen als unter Ezetimib. Bemerkenswert ist, dass sich auch bei Patienten mit sehr niedrigen LDL-Cholesterinspiegeln unter Alirocumab kein Anstieg unerwünschter Ereignisse zeigte (EHJ 2015; 36: 1186–94).

Simone Reisdorf

Quelle: Pressekonferenz „Fokus Patient: Expertise gepaart mit Innovation – Alirocumab als neue Perspektive zur noch effektiveren LDL-Cholesterin-Senkung“, in Frankfurt/Main, Veranstalter: Sanofi

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