ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Achim Jockwig, Vizepräsident für den Fachbereich Gesundheit & Soziales, Hochschule Fresenius

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Achim Jockwig, Vizepräsident für den Fachbereich Gesundheit & Soziales, Hochschule Fresenius

Sie haben Arbeitnehmer vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Gesundheitsbranche danach befragt, wie sich Beruf und Privat- oder Familienleben miteinander vereinbaren lassen. Was sind Ihre Ergebnisse?

Dtsch Arztebl 2015; 112(48): [4]

Glöser, Sabine

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Sie haben Arbeitnehmer vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Gesundheitsbranche danach befragt, wie sich Beruf und Privat- oder Familienleben miteinander vereinbaren lassen. Was sind Ihre Ergebnisse?

Jockwig: Noch muss die Gesundheitsbranche nicht in Panik verfallen. Wir müssen aber angesichts der Notwendigkeit, Fachkräfte zu sichern und neue hinzuzugewinnen, die Entwicklung im Auge behalten und Maßnahmen einleiten, um die Gesundheitsberufe attraktiver zu machen.

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Rund die Hälfte der in unserer Studie befragten Arbeitnehmer findet ihre Work-Life Balance in Ordnung, aber jeder Dritte hält dieses Verhältnis nur für tolerierbar und klagt über fehlende Freizeit. Weitere fünf Prozent gaben an, eigentlich gar keine Zeit für Freizeitaktivitäten zu finden. Nur 16 Prozent sagen, ihre Work-Life Balance sei „ideal“.

Mehr Geld bedeutet nicht mehr Zufriedenheit. Es greift also zu kurz, nur einen monetären Ausgleich zu schaffen. So berichtete jeder zweite Befragte, dass angenehmere Arbeitszeiten und eine gute Atmosphäre am Arbeitsplatz Gesundheitsberufe attraktiver machten. Ein denkbarer Ansatz steckt auch in der Schaffung neuer Berufe, die wichtige Schnittstellenfunktionen übernehmen könnten – und damit andere entlasten. Ein Beispiel dafür ist der Physician Assistant, der unserer Einschätzung nach eine Schlüsselstellung bei der Bewältigung der Herausforderungen im Gesundheitswesen einnehmen wird.

Zeit für sich selbst und nicht permanent das Gefühl der Fremdbestimmtheit zu haben, ist wichtig für geistige Frische, Motivation und damit auch für eine positive Einstellung dem Beruf gegenüber. 74 Prozent der Befragten gaben an, ihre Aufgaben zwar zu bewältigen, sie fühlen sich aber oft gestresst und ausgelaugt. Fünf Prozent sagen, dass sie immer abgehetzt und zeitlich verplant sind. Diesen Menschen stehen gerade mal acht Prozent gegenüber, die Stress und Zeitmangel gar nicht kennen. Ein Resultat, bei dem die Alarmlampen zumindest auf „Gelb“ stehen. Wie wir festgestellt haben, wirkt sich dieses Gefühl auch auf die Urlaubszeit aus. Viele Menschen können sich nicht mehr richtig entspannen.

Damit im Zusammenhang steht die permanente Erreichbarkeit. Einerseits sollte der Arbeitgeber darauf achten, dass sich Angestellte erholen können. Diese sind aber auch selbst in der Pflicht. So gaben viele Arbeitnehmer an, dass sie freiwillig, beispielsweise via Smartphone, verfolgen, was sich am Arbeitsplatz so tut, und ihre Mails checken. Doch wer auch außerhalb der Arbeitszeiten ständig auf sein mobiles Endgerät fixiert ist, hat es mit der Erholung schwerer. sg

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