ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015Transparenzkodex: Pharmafirmen legen Zahlungen offen

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Transparenzkodex: Pharmafirmen legen Zahlungen offen

Dtsch Arztebl 2015; 112(48): A-2017 / B-1667 / C-1615

Osterloh, Falk

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Ab Mitte 2016 wollen Pharmafirmen veröffentlichen, wie viel Geld sie Ärzten zukommen lassen. Namen wollen sie aber nur nennen, wenn die Ärzte zustimmen. Der Bundes­ärzte­kammer geht das nicht weit genug.

Besucher von Fortbildungsveranstaltungen wollen Pharmafirmen künftig namentlich nennen, wenn das Unternehmen angefallene Kosten übernommen hat. Foto: CanStockPhoto
Besucher von Fortbildungsveranstaltungen wollen Pharmafirmen künftig namentlich nennen, wenn das Unternehmen angefallene Kosten übernommen hat. Foto: CanStockPhoto

Vor drei Jahren hat der europäische Arzneimittelverband EFPIA bekannt gegeben, Zuwendungen an Ärzte veröffentlichen zu wollen. Ab Mitte kommenden Jahres wollen Pharmafirmen diese Ankündigung nun umsetzen. „Bis zum 30. Juni 2016 werden alle unsere Mitgliedsunternehmen die Zahlungen auf ihrer Internetseite offenlegen“, erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Birgit Fischer, Mitte November in Berlin.

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Ärzte müssen zustimmen

Veröffentlicht werden sollen alle Zuwendungen an Ärzte, Apotheker und andere Gesundheitsberufe sowie an medizinische und wissenschaftliche Organisationen und Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Fachgesellschaften, erklärte der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA), Dr. jur. Holger Diener. Offengelegt würden alle direkten und indirekten geldwerten Zuwendungen, vom Kugelschreiber bis zur Einladung zu Fortbildungsveranstaltungen. In der FSA sind alle vfa-Mitglieder sowie elf weitere Pharmafirmen zusammengeschlossen. Andere Pharmaverbände haben ähnliche Kodizes vereinbart.

Bei Spenden, Fortbildungsveranstaltungen sowie Dienstleistungs- und Beratungshonoraren wollen die Pharmafirmen die Ärzte namentlich nennen, die Zuwendungen von ihnen erhalten haben – vorausgesetzt, diese stimmen zu, erklärte Diener. Stimmen Ärzte nicht zu, werden die an sie geflossenen Zahlungen addiert und als Summe genannt.

Alle Zuwendungen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung, zu dem auch die Anwendungsbeobachtungen gehören, werden von vornherein nur als Summe veröffentlicht. Würden Firmen die Ärzte nennen, mit denen sie hier zusammenarbeiten, könnten Konkurrenzunternehmen darauf schließen, in welchen Bereichen sie gerade forschten, so Diener.

Große kulturelle Unterschiede

Da der Transparenzkodex von der EFPIA angestoßen wurde, wird er auch europaweit eingeführt. Fischer wies auf die großen kulturellen Unterschiede im Umgang mit der Offenlegung von Einnahmen hin. In Ländern wie Schweden sei dies generell ganz normal, in Deutschland täten sich die Menschen hingegen schwer damit.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) begrüßt die Initiative der Pharmaunternehmen. „Die übergroße Mehrheit der Ärzte lässt sich nichts zuschulden kommen und muss deshalb Transparenz nicht fürchten“, schreibt die BÄK in einer Stellungnahme. „Deshalb wünschen wir uns prospektiv, dass die Veröffentlichung der Zuwendungen unabhängig von der Zustimmung des Empfängers erfolgen kann. Alternativ sollten Pharmaunternehmen auf die Zusammenarbeit mit Ärzten verzichten, die nicht genannt werden wollen.“

Im Übrigen befürworte die Ärzteschaft seit langem eine gesetzliche Regelung nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Physicians Payment Sunshine Act“. „Danach müssen alle finanziellen Leistungen und Sachleistungen sowie Name, Adresse, Anbieter, Wert, Datum und Art der Zuwendung offengelegt werden“, so die BÄK. Der Transparenzkodex sei aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung

„Es ist insgesamt zu begrüßen, dass die Pharmaindustrie selber für Transparenz sorgen will“, meint auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung. „Das ist gut so und hilft auch den Ärzten, die sich in der übergroßen Mehrheit nichts zuschulden kommen lassen.“

Falk Osterloh

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Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 28. November 2015, 10:39

Raster

Für eine Verrasterung würden bereits Postleitzahlen der anonym kumulierten Beträge ausreichen.

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