ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015Medizininformatik: Brücken zwischen Dateninseln

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Medizininformatik: Brücken zwischen Dateninseln

Dtsch Arztebl 2015; 112(48): A-2009 / B-1661 / C-1609

Krüger-Brand, Heike E.

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Heike E. Krüger-Brand, Politische Redaktion
Heike E. Krüger-Brand, Politische Redaktion

Auf der Medizinmesse Medica in Düsseldorf hat Bun­des­for­schungs­minis­terin Johanna Wanka ein neues Förderkonzept für die Medizininformatik vorgestellt. Es soll die Basis dafür schaffen, die Versorgungsdaten aus den Krankenhäusern und die Forschungsdaten künftig besser zu verknüpfen. Das Ministerium will hierfür in der ersten Ausbaustufe über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zu 100 Millionen Euro bereitstellen.

Endlich, muss man sagen, denn Experten beklagen seit langem die massive Unterfinanzierung der informationstechnischen Infrastrukturen in der Universitätsmedizin während der letzten zehn Jahre. Gleichzeitig hat es gerade die Medizin mit rasant wachsenden Mengen an komplexen Daten aus den unterschiedlichsten Quellen zu tun, die analysiert und verstanden werden müssen. Die Werkzeuge, um aus diesen Daten Wissen zu generieren, das tatsächlich beim Patienten ankommt, fehlen jedoch.

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In der IT habe Deutschland im internationalen Vergleich Nachholbedarf, konstatierte Wanka denn auch. „Da wollen wir nicht nur aufholen, sondern zeigen, dass wir besser werden können.“ Die Verbindung der Informationswelt der Krankenversorgung mit der klinischen und der biomedizinischen Forschung sei aufgrund heterogener Datenformate und fehlender Standards nicht trivial. „Es fehlen bei uns die Brücken zwischen diesen Dateninseln“, so die Ministerin. Innovative IT-Lösungen sollen daher künftig die Datennutzung über die Grenzen von Institutionen und Standorten hinweg ermöglichen. Einerseits gelte es, die Forschungsdaten in anwendbares medizinisches Wissen zu übersetzen, Stichwort: Translation, andererseits sollen auch Versorgungsdaten in den Forschungsprozess einfließen – selbstverständlich unter Wahrung des Datenschutzes, so die Ministerin.

Das langfristig angelegte Förderkonzept enthält einige kluge Rahmenvorgaben, die dem Ziel, übertragbare interoperable Lösungen zu entwickeln, förderlich sein dürften: Die antragstellenden Konsortien, die aus mindestens zwei Universitätskliniken und weiteren Partnern bestehen sollen, müssen sich auf einheitliche Standards etwa für Datenformate, Schnittstellen und Datenschutz verständigen und dabei internationale Entwicklungen berücksichtigen. Ein nationales Steuerungsgremium, dem alle Konsortien angehören, soll dabei vermitteln. Alle Einrichtungen müssen zudem „Datenintegrationszentren“ aufbauen, die die Voraussetzungen für den Datenaustausch schaffen und vernetzt arbeiten.

Entwickelt werden sollen IT-Lösungen für konkrete Anwendungen, etwa für seltene Erkrankungen, um daran den Nutzen für Ärzte und Patienten zu demonstrieren.

Die Konsortien haben für die Konzeptphase neun Monate Zeit. Die Auswahl trifft ein internationales Gutachtergremium – dies sorgt für Entscheidungen, die an wissenschaftlicher Exzellenz und Kooperation orientiert sind. Anschließend haben die Projekte dann vier Jahre Zeit für den Aufbau und die Vernetzung untereinander.

In einer zweiten Förderphase sollen die erfolgreichen Konzepte dann auf weitere Universitätskliniken, Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen übertragen werden. „Wir wollen einen starken Impuls setzen in ein digital vernetztes Gesundheitssystem und möchten, dass zum Schluss viele davon profitieren“, betonte Wanka.

Nicht zuletzt kann die Förderinitiative an der Nahtstelle zwischen Forschung und Versorgung auch dazu beitragen, dass die Universitätsmedizin international wieder aufholt. Ein spätes Signal somit, aber unbedingt notwendig.

Heike E. Krüger-Brand
Politische Redaktion

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