ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015LDL-Cholesterinwerte und Kardiovaskuläres Risiko: Kandidaten für Statintherapie besser identifizierbar

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

LDL-Cholesterinwerte und Kardiovaskuläres Risiko: Kandidaten für Statintherapie besser identifizierbar

Eckert, Nadine

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Im Jahr 2013 gaben die US-Fachgesellschaften ACC/AHA eine neue Cholesterinleitlinie heraus. Der darin enthaltene Score für das kardiovaskuläre Risiko wurde nachträglich an der Framingham Heart Study (FHS) überprüft – durch einen Vergleich mit der alten NCEP-ATP-III-Leitlinie von 2004.

Prävalenz der Koronarkalzifikation bei Teilnehmern, für die eine Statintherapie infrage kommt (ATP III vs. ACC/AHA)
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Prävalenz der Koronarkalzifikation bei Teilnehmern, für die eine Statintherapie infrage kommt (ATP III vs. ACC/AHA)

Nachkommen der FHS-Kohorte wurden dafür median 9,4 Jahre nachbeobachtet. Nach ACC/AHA-Kriterien waren 39 % der 2 435 Studienteilnehmer Kandidaten für eine Statintherapie, nach NCEP-ATP-III nur 14 % (p < 0,001). Es kam zu 74 kardiovaskulären Ereignissen: 40 nicht tödliche Herzinfarkte, 31 nicht tödliche ischämische Schlaganfälle und 3 ischämische Schlaganfälle mit tödlichem Ausgang. Studienteilnehmer, bei denen laut ACC/AHA eine Statintherapie indiziert war, hatten höhere Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen als jene, die laut NCEP-ATP-III mit einem Statin hätten behandelt werden müssen: Die Hazard Ratios betrugen 6,8 (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 3,8–11,9) vs. 3,1 (95-%-KI: 1,9–5,0; p < 0,001). Teilnehmer mit neuer Statinindikation während der Nachbeobachtung (n = 593 [24 %]) hatten eine kardiovaskuläre Ereignisrate von 5,7 % (Number-needed-to-treat: 39–58). Bei Koronararterienkalzifikation (CAC) war nach ACC/AHA mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Statin indiziert als nach ATP-III: CAC-Score > 0: 63 vs. 23 %; CAC-Score > 100: 80 vs. 32 %; CAC-Score > 300: 85 vs. 34 %; alle p < 0,001. Ein CAC-Score = 0 identifizierte unter den ACC/AHA-Kandidaten für eine Statintherapie, eine Niedrigrisikogruppe (33 %) mit einer kardiovaskulären Ereignisrate von 1,6 %.

Fazit: „Die Studie zeigt die Überlegenheit der Risikoeinschätzung nach ACC/AHA gegenüber der alten US-Leitlinie. Für Patienten in Deutschland ist aber eine europäische Risikotabelle wie SCORE besser geeignet“, resümiert der Kardiologe Prof. Dr. med. Ulrich Laufs, Universitätsklinikum des Saarlandes. Die aktuelle Publikation bestätige jedoch die kardiovaskuläre Risikoreduktion durch eine Senkung der LDL-Cholesterins (LDL-C) mit Statinen bei Patienten 1. mit manifester athero-sklerotischer Gefäßerkrankung, 2. mit LDL-C > 190 mg/dL, 3. Diabetes und LDL-C > 70 mg/dL und 4. bei globalem 10-Jahres-Risiko für atherosklerotische Gefäßerkrankung > 7,5 % und LDL-C > 70 mg/dL.

„Die Studie unterstreicht den großen transatlantischen Konsens darin, dass es notwendig ist, Menschen mit kardiovaskulärem Risiko früher zu identifizieren. Speziell zeigt sie, dass schon Menschen mit deutlich niedrigeren LDL-C-Werten als lange angenommen von einer LDL-C-Senkung profitieren können.“

Nadine Eckert

Pursnani A, et al.: Guideline-based statin eligibility, coronary artery calcification, and cardiovascular Events. JAMA 2015; 314: 134–41.

Prävalenz der Koronarkalzifikation bei Teilnehmern, für die eine Statintherapie infrage kommt (ATP III vs. ACC/AHA)
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Prävalenz der Koronarkalzifikation bei Teilnehmern, für die eine Statintherapie infrage kommt (ATP III vs. ACC/AHA)

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