ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2015Pflegedokumentation: IT-Unterstützung bringt Vorteile

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Pflegedokumentation: IT-Unterstützung bringt Vorteile

Dtsch Arztebl 2015; 112(48): A-2054 / B-1696 / C-1644

Krüger-Brand, Heike E.

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Nicht nur in der medizinischen, sondern auch in der pflegerischen Versorgung rücken elektronische Prozesse und pflegeunterstützende Technologien in den Blick.

Ein Medikationsplan wird in der langzeitstationären und in der ambulanten Pflege sehr häufig noch manuell geführt. Unstimmigkeiten zwischen den jeweiligen Fassungen des Arztes, der Apotheke und der Einrichtung sind daher häufig. Foto: dpa
Ein Medikationsplan wird in der langzeitstationären und in der ambulanten Pflege sehr häufig noch manuell geführt. Unstimmigkeiten zwischen den jeweiligen Fassungen des Arztes, der Apotheke und der Einrichtung sind daher häufig. Foto: dpa

Wenn er mit Pflegekräften in Pflegeheimen gesprochen habe, sei das größte Anliegen nicht mehr Geld oder weniger Wochenenddienste gewesen, sondern die „ausufernde Bürokratie“, die das Pflegepersonal häufig als erniedrigend und zeitraubend empfinde. Das berichtete der Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, bei einer Tagung der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft zum Thema „Pflegedokumentation und E-Health“ in Koblenz. Vor diesem Hintergrund hatte die Bundesregierung ein Projekt zum Bürokratieabbau in der Pflege gefördert. Laumann verwies auf die am 13. Juli 2014 vereinbarte Zusage aller am Pflegeprozess beteiligten Organsationen und Verbände, das von der ehemaligen Ombudsfrau Elisabeth Beikirch im Auftrag des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums erarbeitete vereinfachte Dokumentationskonzept („Strukturmodell“; www.ein-step.de) zu unterstützen.

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Inzwischen seien von 25 000 stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen rund 7 500 dabei, ihre Dokumentation umzustellen, berichtete Laumann. „Die Entwicklung ist unumkehrbar“, betonte er. Die probeweise Einführung des Dokumentationssystems habe ergeben, „dass die Pflegekräfte froh sind, dass das Ankreuzen von Kästchen vorbei ist, dass ihre Fachlichkeit wieder ernst genommen wird und dass es auch merklich zu Zeitersparnis führt“.

Noch viel Papier in der Praxis

„Derzeit sind Pflegeplanungs- und Dokumentationssysteme auf elektronischer Basis vor allem in der akutstationären Pflege verbreitet“, betonte der Pflegewissenschaftler Thomas Kirpal, CGM Systema Deutschland. Die langzeitstationäre und ambulante Pflege hinken hier hinterher. Ein Beispiel dafür sei das Medikationsmanagement. Ein Medikationsplan in der stationären Langzeitpflege wird laut Kirpal in nahezu der Hälfte der Fälle noch handschriftlich geführt. Inzwischen gebe es elektronische Systeme hierfür, allerdings werde der aktuelle Plan derzeit in der Regel ausgedruckt, unterschrieben und per Fax an den behandelnden Arzt übermittelt. Auch Medikationsänderungen oder Neuverordnungen werden per Fax oder Telefon zwischen Arzt, stationärer Pflegeeinrichtung und Apotheke ausgetauscht.

Im Projekt „MediPlanOnline“ hat das Unternehmen daher einen Medikationsplan entwickelt, der im Webbrowser läuft, so dass alle drei Parteien sektorübergreifend auf den Plan zugreifen können. Der Arzt trägt seine Verordnungen selbst ein. Mit der Freigabe wird das in der elektronischen Pflegedokumentation vermerkt. Die Pflegefachkraft vor Ort ist immer auf dem aktuellen Stand. Hat der Apotheker das Rezept geprüft und aufgrund eines Rabattvertrags ein anderes Präparat ausgeliefert, wird dies automatisch in der Dokumentation geändert.

Ebenfalls wichtig für die Pflege werden assistive, pflegeunterstützende Technologien. „Hier gibt es viele Lösungen und Technologien, die alle noch in der Vormarktphase stecken“, meinte Kirpal. Im Verbundprojekt ERIKA („Echtzeiterkennung von Risiko- und Gefahrensituationen durch intelligente Krankenversorgungs-Assistenzumgebungen“) etwa, an dem unter anderem das Universitätsklinikum Essen beteiligt ist, geht es um die Versorgung von Demenzkranken im Stationsalltag mittels assistiver sensorbasierter Technologien (wie Bettsensorik), mit denen Patienten überwacht und Risiken frühzeitig erkannt werden können.

Im Hinblick auf das geplante E-Health-Gesetz forderte Kirpal die umfassende Einbindung der Pflege. Diese müsse auch Zugriff auf elektronische Daten erhalten, denn „sonst fehlt hier einer der wichtigen Player“, so der Pflegexeperte.

Heike E. Krüger-Brand

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