ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Neurologie 2/2015Migräneprophylaxe: Valproinsäure – Neues zum Off-Label-Use

SUPPLEMENT: Perspektiven der Neurologie

Migräneprophylaxe: Valproinsäure – Neues zum Off-Label-Use

Dtsch Arztebl 2015; 112(49): [12]; DOI: 10.3238/PersNeuro.2015.12.04.04

Janzen, Rudolf W. C.; Gaul, Charly

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Valproinsäure ist in einigen EU-Ländern – nicht aber in Deutschland – zur Prophylaxe der Migräne zugelassen. Hierzulande kann Valproinsäure seit 2010 im Off-Label-Gebrauch ausschließlich bei Erwachsenen eingesetzt werden, wenn eine Unwirksamkeit und/oder Unverträglichkeit der für die Migräneprophylaxe zugelassenen Pharmaka besteht. Ein Resümee für die Anwendungspraxis, das auf der Bewertung der Expertengruppe (1) beruht, wurde im Deutschen Ärzteblatt vom 25. Februar 2011 veröffentlicht (2).

Auf Basis einer Evaluierung sicherheitsrelevanter Fragen bezüglich der Anwendung von Valproinsäure ist von der europäischen Arzneimittelhörde EMA ein Beschluss (21. November 2014) gefasst worden, der für alle in der EU zugelassenen Indikationen (Anfallsprophylaxe, Migräneprophylaxe, Bipolare Störungen) wichtig ist. Danach darf Valproinsäure Frauen im gebärfähigen Alter nur dann verordnet werden, wenn ihr Einsatz die einzig verbliebene Therapieoption ist und eine wirksame Kontrazeption angewendet wird (Rote-Hand-Brief 12. Dezember 2014).

Diese Verschärfung der Indikationsstellung beruht auf neueren Untersuchungen, nach denen unter Exposition von Valproinsäure in der Schwangerschaft das Risiko für motorische und psychische Entwicklungsstörungen (1, 2) sowie autistische Störungen (35) erhöht ist. Bereits bekannt und berücksichtigt war die deutlich erhöhte Missbildungsrate (zum Beispiel für Neuralrohr-Defekte) von 11 Prozent (Referenzwert: 2–3 Prozent). Die Expertengruppe „Off-Label Neurologie und Psychiatrie“ gibt daher folgende Hinweise für die Anwendung von Valproinsäure zur Migräneprophylaxe:

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  • Valproinsäure ist für die Anwendung zur Migräneprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen und nicht wirksam.
  • Valproinsäure ist kontraindiziert bei schwangeren und stillenden Frauen.
  • Die Indikationsstellung und Einleitung einer Therapie mit Valproinsäure zur Migräneprophylaxe soll von einem in der Migränebehandlung erfahrenen Arzt erfolgen.
  • Vor Beginn einer Therapie mit Valproinsäure muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein.
  • Da Valproinsäure eine erhebliche teratogene Wirkung und ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen sowie autistischen Störungen bei Einnahme während einer Schwangerschaft hat, muss darüber umfassend aufgeklärt und die Aufklärung dokumentiert werden. Falls keine wirksame Methode der Kontrazeption angewendet wird, ist der Einsatz von Valproinsäure kontraindiziert.

DOI: 10.3238/PersNeuro.2015.12.04.04

Prof. Dr. med. Rudolf W. C. Janzen, Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul

für die Expertengruppe Off-Label Neurologie und Psychiatrie

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/4915

2.
Diener HC: Valproinsäure: Was bei der Migräneprophylaxe zu beachten ist. Dtsch Arztebl 2011; 108(8): A-406 VOLLTEXT
3.
Cummings C, et al.: Neurodevelopment of children exposed in utero to lamotrigine, sodium valproate and Carbamazepine; Arch Dis Child 2011; 96: 643–7 CrossRef MEDLINE
4.
Gentile S: Risks of neurobehavioral teratogenicity associated with prenatal exposure to valproate monotherapy : a systematic review with regulatory repercussions. CNS Spectr 2014;19: 305–15 CrossRef MEDLINE
5.
Christensen J, et al.: J Prenatal Valproate Exposure and Risk of Autism Spectrum Disorders and Childhood Autism; JAMA 2013; 309: 1696–703 CrossRef MEDLINE PubMed Central
6.
Meador KJ, et al.: Cognitive Function at 3 Years of Age after Fetal Exposure to Antiepileptic Drugs; N Engl J Med April 2009; 360: 1597–605 CrossRef MEDLINE PubMed Central
7.
Cohen MJ. et al.: Fetal antiepileptic drug exposure: Adaptive and emotional/ behavioral functioning at age 6 years; Epilepsy Behav 2013; 29: 308–15 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/ zul/ BereitsZugelAM/ offLabel/ Historie/ Neuro/ Bewertungen_Neuro.html?nn=3566692
2.Diener HC: Valproinsäure: Was bei der Migräneprophylaxe zu beachten ist. Dtsch Arztebl 2011; 108(8): A-406 VOLLTEXT
3.Cummings C, et al.: Neurodevelopment of children exposed in utero to lamotrigine, sodium valproate and Carbamazepine; Arch Dis Child 2011; 96: 643–7 CrossRef MEDLINE
4.Gentile S: Risks of neurobehavioral teratogenicity associated with prenatal exposure to valproate monotherapy : a systematic review with regulatory repercussions. CNS Spectr 2014;19: 305–15 CrossRef MEDLINE
5.Christensen J, et al.: J Prenatal Valproate Exposure and Risk of Autism Spectrum Disorders and Childhood Autism; JAMA 2013; 309: 1696–703 CrossRef MEDLINE PubMed Central
6.Meador KJ, et al.: Cognitive Function at 3 Years of Age after Fetal Exposure to Antiepileptic Drugs; N Engl J Med April 2009; 360: 1597–605 CrossRef MEDLINE PubMed Central
7.Cohen MJ. et al.: Fetal antiepileptic drug exposure: Adaptive and emotional/ behavioral functioning at age 6 years; Epilepsy Behav 2013; 29: 308–15 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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