ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2015Differenzialdiagnose bei Kurzatmigkeit: Erniedrigter MEF50-Wert kann auf Herzinsuffizienz deuten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Differenzialdiagnose bei Kurzatmigkeit: Erniedrigter MEF50-Wert kann auf Herzinsuffizienz deuten

Siegmund-Schultze, Nicola

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Bei Atmungsstörungen, bei denen sich der Verdacht auf eine COPD nicht bestätigt, können andere pulmonale oder nichtpulmonale Erkrankungen wie Herzinsuffizienz vorliegen. Die Differenzialdiagnose sollte rasch erfolgen, um mögliche schwerwiegende Ursachen der Dyspnoe auszuschließen. Ein niederländisch-deutsches Forscherteam hat auf Basis der prospektiven UHFO-COPD-Studie untersucht, ob die MEF50, die maximale expiratorische Atemstromstärke bei 50 % der forcierten Vitalkapazität, diagnostisch und prognostisch relevant ist für nicht erkannte Herzinsuffizienz, für akute Bronchitis, für Pneumonie oder die stationäre Therapie wegen Lungenerkrankungen.

Kohorte waren 161 Patienten aus der UHFO-COPD-Studie (n = 405). Die 161 Teilnehmer (40 %) hatten Atembeschwerden, aber keine COPD (Gold-Kriterien). Sie wurden an der Universitätsklinik Utrecht ambulant auf Lungen- und Herzerkrankungen nachuntersucht.

37,9 % der 161 Teilnehmer (Durchschnittsalter 72 Jahre) hatten einen erniedrigten MEF50-Wert, definiert als maximal 60 % des MEF50-Vorhersagewertes 30 Minuten nach Bronchodilatation. Bei 33 Patienten (20,5 %) wurde echokardiografisch eine Herzinsuffizienz diagnostiziert, und zwar doppelt so häufig in der Gruppe mit reduzierter MEF50 (29,5 vs. 15,6 %; p = 0,045). Eine verringerte MEF50 war mit akuter Bronchitis assoziiert (Hazard Ratio [HR]: 2,54; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 1,26–5,13; p = 0,009), einen Trend gab es auch für Pneumonien (HR: 2,14; 95-%-KI: 0,98–4,69; p = 0,06) und Hospitalisierung wegen Lungenfunktionsstörung (HR: 2,28; 95-%-KI: 0.93–5,62; p = 0,07).

Fazit: Bei älteren Menschen mit Dyspnoe, aber ohne COPD kann eine reduzierte MEF50 auf eine okkulte Herzinsuffizienz hinweisen und auf ein erhöhtes Risiko für akute Bronchitis und Pneumonie. Die Bestimmung der MEF50 kann bei Dyspnoe sinnvoll sein, auch wenn keine COPD nach den Gold-Kriterien vorliegt. Bei reduzierter MEF50 sind Echokardiographie und engmaschige Beobachtung zu erwägen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Güder G, Brenner S, Störk S, et al.: Diagnostic and prognostic utility of mid-expiratory flow rate in older community-dwelling persons with respiratory symptoms, but without chronic obstructive pulmonary disease. BMC Pulm Med 2015; 83

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