ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2015Mitarbeiterführung: Nicht nur mit Emotionen – auch mit Fakten

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Mitarbeiterführung: Nicht nur mit Emotionen – auch mit Fakten

Dtsch Arztebl 2015; 112(49): [2]

Kutscher, Patric P.

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Emotionales Führungsmanagement ist en vogue, so sehr, dass es kaum noch hinterfragt wird. Aber es gibt Situationen, in denen die Gefühle schweigen und der Arzt eher mit Zahlen, Daten und Fakten überzeugen sollte.

Foto: iStockphoto
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Emotionales Führungsmanagement bedeutet, den Mitarbeiter motivatorisch bei den Hörnern zu packen, sein bevorzugtes Emotionssystem zu analysieren und den dominanten Feuerkopf anders zu führen und zu motivieren als den zahlen-, daten- und faktenverliebten Mitarbeiter. Das Motto lautet: „Seele statt Packeis.“ Immer kommt es darauf an, Gefühle anzusprechen und die Motivationsarbeit auf das Zustandekommen positiver Emotionen abzustimmen.

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Erfolgreiches Führungsinstrumentarium

Das emotionale Führungsmanagement bietet zweifellos ein erfolgreiches und richtiges Führungsinstrumentarium. Einige Führungskräfte verstehen es allerdings dahingehend miss, dass sie glauben, sie müssten grundsätzlich flammende Motivationsreden halten und den Mitarbeiter zum Beispiel bei Veränderungsprozessen mitreißen, indem sie die Zukunft der Klinik oder Praxis in leuchtenden Farben auspinseln.

Uwe W. Mayer, Arzt für Allgemeinmedizin mit Praxis in Südhessen, schlägt eine Alternative vor: „Statt das emotionale Führen zum Nonplusultra zu erklären, sollten sich Ärzte mit Führungsverantwortung verdeutlichen, dass es durchaus Mitarbeiter und Führungssituationen gibt, in denen das Führen und Motivieren mit Fakten der Erfolg versprechende Weg ist. Darum ist es zielführend, mit Emotionen und mit Fakten zu führen.“

Führen und Motivieren mit Emotionen und Fakten – was heißt das konkret? Das bedeutet zunächst, dass der Arzt etwa bei Veränderungsprozessen mit eindeutigen Zielen führt. Man kennt mittlerweile das berühmte Zitat von Antoine de Saint-Exupéry zur Genüge. „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Und es ist durchaus richtig, gerade bei komplexen und umfassenden Veränderungen mit einer Vision zu führen und den Mitarbeiter so einen sinnstiftenden und Halt bietenden Orientierungsrahmen zu geben.

Ansprechen von Emotionen und Begeisterung

Als Beispiel kann Steve Jobs dienen, der bei Apple durch das Ansprechen von Emotionen und Begeisterung und die Identifikation mit dem Unternehmen den Mitarbeitern das Gefühl vermittelte, Teil eines „großen Ganzen“ zu sein.

Aber muss dann nicht auch die klare Ansage erfolgen, dass es unumgänglich ist, jetzt ein Schiff zu bauen, und zwar mit den und den Ausmaßen und den und den Funktionalitäten? Zumal nicht jedes Unternehmen und jede Organisation und Klinik mit Apple und nicht jede Führungskraft mit Steve Jobs vergleichbar ist.

Allerdings: Es geht nicht darum, nun in das andere Extrem zu verfallen und Führungskräfte, die mit Visionen führen wollen, zum Arzt zu schicken, frei nach Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der allen, die eine Vision haben, den Arztbesuch empfahl. Doch es ist eine Überlegung wert, jede Vision mit klaren Zielen, mit einem konkreten Zeitplan und einem detaillierten Aktivitätenplan zu unterfüttern.

„Ich finde, unsere Patienten wirken immer zufriedener. Das ist doch ein schöner Erfolg unserer Bemühungen, die wir im Rahmen des Qualitätsmanagements ergriffen haben. Packen wir es an und machen weiter so!“ Es gibt Mitarbeiter, die sich durch diese Art der Ansprache inspiriert und motiviert fühlen. Was aber spricht dagegen, diese Formulierung durch Aussagen wie die folgende zu ergänzen oder zu ersetzen: „Die Patientenbefragung hat ergeben, dass die Patienten uns mit einem Wert von 2,1 benoten. Da ist noch Platz nach oben, aber trotzdem ein schönes Ergebnis, auch weil die Anzahl der Reklamationen über unsere medizinischen Dienstleistungen rückläufig ist. Lassen Sie uns einen Fünf-Punkte-Plan mit zehn Aktivitäten entwickeln, damit wir in einem halben Jahr einen Wert mit einer eins vor dem Komma erreichen.“

Zusätzlicher Motivationsschub

„Diese präzise beschriebenen Ziele machen eine Vision und das Ansprechen der Emotionen auf Mitarbeiterseite nicht überflüssig“, sagt Mayer, „sie sind vielmehr geeignet, einen zusätzlichen Motivationsschub zu entfachen und vor allem diejenigen Mitarbeiter mitzunehmen, die zu den Zahlen-Daten-Fakten-Menschen gehören.“

Das Führen auch mit Fakten hat den Vorteil, dass bei Zahlen Aspekte wie Transparenz und Sicherheit mitschwingen und Menschen Informationen an die Hand bekommen, die ihnen ein festes und stabiles Fundament geben. Sie erhalten ein Gerüst, an dem sie sich festhalten können. Sind zu viele und zu heftige Gefühle im Spiel, droht das nebulöse Herumstochern in wenig konkreten Vereinbarungen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die allgemeine Situation oder gar die Zukunft der Klinik unsicher ist und wenn einem Mitarbeiter ein Fehler unterlaufen ist. Die eindeutige Klarstellung, was schlecht gelaufen ist und demnächst besser gemacht werden könnte, hilft nicht immer, aber meistens dabei, dass dem Mitarbeiter derselbe Fehler nicht ein zweites Mal unterläuft.

Der Arzt ist gut beraten, wenn er das Prinzip „Führen mit Emotionen und mit Fakten“ auch auf sich selbst anwendet. Ein Beispiel: In schwierigen Entscheidungssituationen analysiert er die Situation wie der rationale Zahlen-Daten-Fakten-Mensch und erst wenn er sich für eine Option nicht entscheiden kann, lässt er seine Intuition und sein Bauchgefühl ein Wörtchen mitsprechen, mithin die Emotionen mit entscheiden.

Erst die Analyse, dann die Intuition

„Ärzte sollten sich bei ihrer Führungsarbeit weder ausschließlich auf ihr Bauchgefühl und ihre Intuition verlassen noch nur das ins Kalkül ziehen, was messbar und nachweisbar ist“, schlägt Mayer vor. Besser sei es, sich die Führungssituation, die ansteht, und die Mitarbeiter, die beteiligt sind, genau anzuschauen und dann eine Entscheidung zu treffen.

Pointiert ausgedrückt: Es geht nicht um ein Entweder-oder, es geht um ein Sowohl-als-auch.

Patric P. Kutscher

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