ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2015Interview mit Dr. med. Christof Veit, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG): „Das Institut kann nicht zaubern“

POLITIK: Das Interview

Interview mit Dr. med. Christof Veit, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG): „Das Institut kann nicht zaubern“

Dtsch Arztebl 2015; 112(49): A-2068 / B-1708 / C-1656

Beerheide, Rebecca

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Seit knapp einem Jahr baut Christof Veit ein neues Qualitätsinstitut auf. Unter seiner Leitung sollen Qualitätskriterien für Krankenhäuser entwickelt werden – fair, justiziabel und praktikabel.

Dr. med Christof Veit, Jahrgang 1957, Approbation 1984, von 2007 bis 2015 Leiter des BQS-Instituts in Düsseldorf. Seit 2015 Leiter des IQTIG. Hier arbeiten bislang 61 Mitarbei- ter, Anfang 2016 werden es 80 sein. Foto: Georg J. Lopata
Dr. med Christof Veit, Jahrgang 1957, Approbation 1984, von 2007 bis 2015 Leiter des BQS-Instituts in Düsseldorf. Seit 2015 Leiter des IQTIG. Hier arbeiten bislang 61 Mitarbei- ter, Anfang 2016 werden es 80 sein. Foto: Georg J. Lopata

Qualität hat als Begriff seit Monaten Konjunktur. Wie hoch ist der Erwartungsdruck, der auf dem IQTIG lastet?

Anzeige

Veit: Sicherlich haben viele bei der jetzt erfolgten Etablierung von Qualität als relevanter Zielgröße in der Steuerung des Gesundheitswesens Hoffnungen und Befürchtungen zugleich. Alle wissen: Wenn wir durch Qualitätsindikatoren Versorgung steuern, dann muss das sehr solide, sehr fair, sehr zuverlässig, aber auch praktikabel und gleichzeitig justiziabel ausgestaltet werden. Die Partner im Gesundheitswesen wissen auch, dass unser Institut nicht zaubern kann.

An welchen Grundlagen und welchen ersten Verfahren arbeiten Sie derzeit?

Veit: Zu Beginn des Jahres 2016 werden wir mit der Datenauswertung von 2015 beschäftigt sein. Dabei wird uns das AQUA-Institut bei der Datenverarbeitung noch unterstützen. Weiterhin erwarten wir nach dem Inkrafttreten des Krankenhausstrukturgesetzes den ersten Auftrag des G-BA zur Entwicklung eines Konzepts für planungsrelevante Qualitätsindikatoren und dessen praktische Durchführung. Da der Gesetzgeber vorgegeben hat, dass der G-BA dazu bis Ende 2016 einen Beschluss fassen soll, werden wir bis Mai das erste Konzept erarbeiten. Damit bleibt genügend Zeit, diesen Vorschlag in den Gremien des G-BA zur Beschlussfassungsreife zu bringen.

Ein wichtiger Teil Ihrer Methoden muss darauf zielen, dass die Qualitätserhebung einer juristischen Prüfung standhält. Wo setzen Sie dabei an?

Veit: Wir arbeiten an einem praktikablen und sinnvollen Verfahren. Dabei geht es primär um Patientengefährdung. Abteilungen, die die Mindeststandards an Versorgungsqualität fortlaufend nicht einhalten, sollen letztendlich aus dem Krankenhausplan herausfallen und so ihre Finanzierungsgrundlage verlieren. Dabei werden die Gesundheits- und Sozialministerien der Länder Adressaten der Qualitätsergebnisse sein, da mit dem KHSG die Maßstäbe des G-BA zur Qualitätsbewertung planungsrelevanter Indikatoren automatisch Teil der Landesgesetzgebung werden, es sei denn, ein Länderparlament lehnt dies ausdrücklich ab und wählt eigene Qualitätskriterien. Dies müsste es dann aber auch explizit begründen. Die Planungsbehörden werden vom G-BA direkt und regelmäßig die vom IQTIG bereitgestellten Ergebnisse für ihre Region erhalten. Diese Mitteilungen werden voraussichtlich öffentlich zugänglich sein. Gefährdungen von Patienten werden so schnell publik. Die weitere Entscheidung liegt dann – öffentlich wahrgenommen – bei der jeweiligen Landesbehörde.

Welche Leistungsbereiche in Kliniken werden Sie sich denn als erstes vornehmen?

Veit: Da die planungsrelevanten Indikatoren Neuland sind, werden wir dem G-BA vorschlagen, erst einmal in einem oder maximal zwei Leistungsbereichen dieses Verfahren zu erproben. Wir wollen zunächst in einem kleinen Bereich gute und belastbare Qualitätsverbesserungen erreichen und auf der Basis dieser Erfahrungen die Anwendung der Verfahren ausweiten.

Welchen Einfluss wird Ihre Arbeit am IQTIG auf die tägliche Arbeit von Ärztinnen und Ärzten in Praxen und in Kliniken haben?

Veit: Wir am IQTIG können zusammen mit den Partnern auf Landesebene für Ärzte in Praxen und in Krankenhäusern hilfreich sein, durch Feedback ihre Qualität weiterzuentwickeln. Viele sind ja dankbar für die Rückmeldungen über ihr eigenes Qualitätslevel. Künftig werden wir darüber Auskunft geben können, was mit den Patienten im weiteren Gesundungsverlauf passiert ist und wie das Ergebnis der Behandlung mittel- und langfristig einzustufen ist. Wir wollen auch versuchen, weniger bürokratisch zu sein, um schlankere Verfahren zu realisieren. Es geht insgesamt darum, den Nutzen der externen Qualitätssicherung nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Versorgenden weiter zu erhöhen. Die Verfahren sollen sinnvoll, effektiv, hilfreich und praktikabel sein.

Das Interview führte Rebecca Beerheide.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Interviews