ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2015Paartherapie: Katastrophen bestehen, Chancen entdecken

BÜCHER

Paartherapie: Katastrophen bestehen, Chancen entdecken

Moser, Tilmann

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein Buch der Weisheit für alle Stadien des Liebeslebens. So fängt es an: „In der Verliebtheit setzt unser Verstand aus, Sehnsüchte nach Harmonie, seelische Bedürfnisse, Erotik und sexuelle Begierden bestimmen das Fühlen und Handeln. Das Denken ist eingeengt, exaltiert und hochgradig labil.“ Sigmund Freud nannte den Zustand eine Art Krankheit. „Wir ahnen, dass wir mit solchen Hoffnungen und Wünschen Illusionsbedürfnisse nähren“ und glauben, „dass nur der Richtige kommen muss“. Der total Richtige kommt aber meist nicht, und der Rest darf oder muss geduldige Arbeit sein, selbst der Sex. Die Gefahren, die abgewehrt oder bestanden werden müssen: Kritik, Geringschätzung, Langeweile, Seitensprünge, nachlassende Erotik, Misstrauen, Sprachprobleme, Rückzug in Schweigen, Unfähigkeit zu verzeihen.

Es ist in Paartherapien immer wieder so erstaunlich wie betrüblich, über wie vieles nicht gesprochen werden kann, selbst starke Wünsche, die heilsam sein könnten, können nicht gestanden werden. Das Verrückteste: Viele Paare können sich in innigen Situationen und erst recht beim Verkehr nicht in die Augen schauen, manche Partner, öfter die Frauen, verlangen immer noch Dunkelheit bei der Lust. Aber Erfinderisch-Sein stimuliert die Freude aneinander. Wenn es zu lange stagniert oder es Dauerärger mit Generalabrechnungen gibt, helfen oft Erholungspausen, von Zimmer zu Zimmer oder sogar ein vorübergehendes Auseinanderziehen.

Anzeige

Doch oft hilft wirklich nur noch eine Paartherapie, beim Sich-Wieder-Finden, aber auch beim Auseinandergehen. Eine Paartherapie muss nicht Jahre dauern: Oft braucht es nur einen Dolmetscher für ein paar Stunden, um dem Verstummen, aber auch den realen Sprachbarrieren zu Leibe zu rücken. Denn Krisen können zur Chance werden, und es gibt kluge Berater, denen ein Seitensprung nicht gleich wie die Urkatastrophe vorkommt, sondern der verstanden, nicht aber gleich zum totalen Bruch führen muss. Der Seitensprung kann als Zeichen dafür gewertet werden, was dem einen oder anderen Partner leidvoll gefehlt hat, worüber aber nicht gesprochen werden konnte. Dann kann auch das Misstrauen wieder verschwinden. Doch immer noch gefährlich: „Vollgaskarrieren“ bei beiden, und Drückebergerei der Männer in der Mitarbeit im Haushalt und mit den Kindern. Feinabstimmung tut Not oder auch kräftiges Verhandeln um die Chancen der Selbstverwirklichung. Tilmann Moser

Margot Schmitz, Michael Schmitz: Liebe, Lust und Ehebett. Orac, Kremayr & Scheriau, Wien 2015, 256 Seiten, gebunden, 22 Euro.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote