ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2015Randnotiz: „Wir machen’s ohne“

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Randnotiz: „Wir machen’s ohne“

Hibbeler, Birgit

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„Tina, wat kosten die Kondome?“ – wer erinnert sich nicht an Hella von Sinnen in ihrer Rolle als Supermarkt-kassiererin? Mit ihrem Satz macht sie alle Bemühungen eines verschüchterten, jungen Mannes (Ingolf Lück) zunichte, unauffällig Kondome zu kaufen? 25 Jahre ist dieser TV-Spot mittlerweile alt. Doch die Botschaft von Kampagnen wie „Gib Aids keine Chance“ und „Mach’s mit“ ist immer gleich: Kondome schützen.

Nun allerdings – passend zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember – haben sich auf Facebook HIV-Infizierte zu Wort gemeldet und sagen „Wir machen’s ohne“. Es handelt sich um Menschen, die nach eigenen Angaben unter erfolgreicher HIV-Therapie nicht mehr ansteckend sind. Sie werben für einen differenzierten Umgang mit der Krankheit und kämpfen gegen eine Stigmatisierung. Unterstützt wird die Aktion von der Deutschen Aids-Hilfe.

Es mag stimmen, dass unter einer HIV-Therapie das Ansteckungsrisiko so gering sein kann, dass auch Sex ohne Kondom eine Option ist. Und natürlich steht es HIV-Infizierten völlig frei, gemeinsam mit ihren Sexualpartnern zu entscheiden, wie sie in diesem Fall vorgehen wollen. Aber ist „Wir machen’s ohne“ ein geeignetes Thema für eine öffentlichkeitswirksame Kampagne? Wohl kaum. Denn welche Botschaft bleibt hängen – vor allem bei denen, die sich nicht intensiv mit dem Thema aus-einandersetzen? Im schlimmsten Fall: Kondome braucht man nicht.

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Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland liegt nach wie vor bei schätzungsweise 3 200 pro Jahr. Und schließlich gibt es auch noch andere Geschlechtskrankheiten, bei denen Kondome das Übertragungsrisiko verringern können. Es gibt also keine Entwarnung.

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