ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2015Frage der Woche an . . . Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma bei Pricewaterhouse­Coopers

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma bei Pricewaterhouse­Coopers

Im Management des Gesundheitswesens ist nur jede dritte Führungsposition weiblich besetzt, auf oberster Ebene sind es nur 15 Prozent. Das zeigt ihre Erhebung „Frauen in der Gesundheitswirtschaft“. Warum ist das so und gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen „Playern“?

Glöser, Sabine

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Im Management des Gesundheitswesens ist nur jede dritte Führungsposition weiblich besetzt, auf oberster Ebene sind es nur 15 Prozent. Das zeigt ihre Erhebung „Frauen in der Gesundheitswirtschaft“. Warum ist das so und gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen „Playern“?

Burkhart: In der Gesundheitswirtschaft ist es nicht anders als in anderen Branchen auch: Nur ein Drittel der Top-Positionen ist weiblich besetzt. Aber gemessen daran, dass Frauen im Gesundheitswesen etwa drei Viertel der Beschäftigten stellen, sind sie auf der Führungsebene dramatisch unterrepräsentiert.

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Dafür verantwortlich dürfte nach wie vor die fehlende Kinderbetreuung sein. Auch starre Arbeitszeiten, die es schwer machen, Familie und Beruf zu vereinbaren, spielen eine Rolle: Dafür spricht, dass Frauen in Behörden und Ministerien, die flexible Arbeitszeitmodelle bieten, bundesweit 44 Prozent der Führungskräfte stellen. Dabei scheint die Berufstätigkeit von Frauen in ostdeutschen Bundesländern nach wie vor selbstverständlicher zu sein. In den Behörden von Bund und Land liegt dort die Quote von Frauen in leitender Position bei 49 Prozent, während es im Westen nur 36 Prozent sind. Dieses Ost-West-Gefälle weisen übrigens auch Kliniken auf: Der Anteil von Frauen in Führungspositionen liegt in Sachsen-Anhalt (49,5 Prozent), Brandenburg, Sachsen (beide 47,7 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (47,3 Prozent) weit über dem Durchschnitt. Zum Vergleich: In Niedersachsen sind es nur 29 Prozent, in Baden-Württemberg 33 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 32 Prozent.

Erstaunlicherweise sind es ausgerechnet die Krankenkassen als Körperschaften des öffentlichen Rechts, die sich als Männerdomäne erweisen. Bei privaten wie gesetzlichen Kassen sind Frauen in leitender Position, aus mir unverständlichen Gründen, völlig unterrepräsentiert. Ihr Anteil beträgt nur zwölf Prozent, in Vorstand und Geschäftsführung ist nicht einmal jede zehnte Stelle weiblich besetzt.

Demgegenüber gibt es Bereiche, in denen Frauen in Führungspositionen sogar überwiegen: Das gilt für Kliniken, in denen die Pflegedienstleitung zu 65 Prozent, die OP-Leitung zu 64 Prozent und das Qualitätsmanagement zu 61 Prozent in weiblicher Hand liegen. Zudem gibt es Bereiche, in denen Frauen stärker vertreten sind. In Personalabteilungen von Pharmaunternehmen machen Frauen 55 Prozent der Führungskräfte aus. In den PR- und Marketingabteilungen von Kliniken beträgt ihr Anteil 58 Prozent. In der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wissenschaftlicher Institute haben Frauen 69 Prozent der Top-Positionen inne. sg

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