ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2015GOÄ-Novelle: Weiterer Tiefschlag
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Aufgrund des oben genannten Artikels über eine Infoveranstaltung in Stuttgart betreffend die GOÄ-Novelle droht der deutschen Ärzteschaft meines Erachtens ein weiterer finanzieller und beruflicher Tiefschlag. Schon die Einleitung macht misstrauisch, wenn die Verhandlungsführer der BÄK „ein Bild großer Einigkeit“ mit den Verhandlungspartnern der PKV bieten. Angehörige eines freien Berufes handeln also ihre Gebührenordnung mit denen aus, die am Ende die Rechnung zahlen sollen. Warum wohl handeln Juristen ihre Honorare nicht mit den Rechtsschutzversicherungen aus und die Architekten nicht mit den Bauherren? So dumm können mal wieder nur Ärzte sein. Ach so, das wurde ja vom BMG so gewünscht oder sogar angeordnet, ebenso wie die Hinzunahme der Beihilfestellen. Und wenn das BMG pfeift, kommen die Ärzte wie wohlerzogene Hunde natürlich auch angelaufen und machen brav, was ihnen befohlen wird, darin haben wir ja Übung. Wir lassen uns bei jeder Gelegenheit diffamieren, unsere Kompetenz infrage stellen, substituieren, mit Bürokratie vollschütten, regressieren und in neuester Zeit wegen kollegialer Zusammenarbeit korrumpieren und auch durch den nun möglichen Entzug des Kassenarztsitzes enteignen. Wieso sollten wir uns nun nicht auch bei der GOÄ-Novelle über den Tisch ziehen lassen? Bei vielen im Beitrag angesprochenen Einzelpunkten ist doch völlig vorhersehbar, dass hier eher eine Art „EBM-Version“ etabliert werden soll als eine Gebührenordnung, und offenbar lassen die ärztlichen Verhandlungsführer das durchgehen, ebenso wie sie mit der Geheimhaltung einverstanden sind. Sind wir als vertretene Ärzte also ein unmündiger Kindergarten? . . . Ja, ein freier Beruf braucht eine Gebührenordnung, aber sicher keine, die uns unter Druck der zahlenden Stellen und der Politik aufoktruiert wird zu unserem jetzt schon absehbaren Nachteil. Die Ärzte sollten eine eigene – von den zahlenden Stellen und vom BMG unabhängige – GOÄ entwerfen und vorstellen und diese dann dem BMG vorlegen, das wäre eines freien Berufes würdig. Wenn diese dann abgelehnt würde, dann haben wir uns wenigstens nicht selbst hintergangen. Dann behalten wir doch lieber die alte GOÄ, anstatt eine solche drohende Katastrophe zu akzeptieren und sich auch noch selbst an dieser entwürdigenden Planung zu beteiligen.

Dr. med. Andreas K. Joos, Enddarmzentrum Mannheim, 68165 Mannheim

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