ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2015Dolmetscher: Telefondolmetschdienst
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Probleme der Kommunikation und sprachlichen Verständigung mit Migranten beziehungsweise Menschen mit Migrationshintergrund werden seit Beginn der (spärlichen) medizinisch-orientierten Migrationsforschung in Deutschland Mitte der 1960er Jahre immer wieder thematisiert.

Insofern ist den meisten Aussagen des Beitrages von Petra Bühring im DÄ zuzustimmen. Allerdings ist die vorgeschlagene keine gute und praktikable Lösung, auch angesichts der aktuell deutlich zunehmenden Zuwanderung nach Deutschland. Das Ziel einer umfassenden Sprachmittlung durch qualifizierte Dolmetscher in jedem Krankenhaus vor Ort wird so nicht zu erreichen sein, das zeigt die tägliche klinische Praxis. Wenn es im Hinblick auf gute Aufklärung und Information und damit auf eine korrekte Umsetzung des Patientenrechtegesetzes nicht weiterhin bei einer „Medizin zweiter Klasse“ für sprachunkundige Patienten bleiben soll, müssen qualifizierte Dolmetscher/Sprachmittler rund um die Uhr, schnell (ohne lange Anfahrtszeiten), an jedem Wochentag und für zahlreiche Sprachen zur Verfügung stehen.

Dies ist nur mit einem Telefondolmetschdienst zu erreichen. In der Schweiz (TDD), noch länger aber in den Niederlanden (TVcN), existieren solche nationalen beziehungsweise zentralvermittelten Dienste seit Jahren und werden teilweise staatlich finanziert. Es muss also nichts neu erfunden, in Pilotprojekten getestet oder evaluiert werden. Diese Lösung kann und muss, angesichts der in den nächsten Jahrzehnten auf das deutsche Gesundheitswesen zukommenden Herausforderungen bei der Versorgung von nicht oder wenig Deutsch sprechenden Menschen, von unseren Nachbarstaaten übernommen und schnellstmöglich umgesetzt werden.

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Prof. Dr. med. Matthias David, Klinik für Gynäkologie,
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-
Klinikum, 13353 Berlin

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