ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2015Versorgungssicherheit: Sinneswandel

POLITIK

Versorgungssicherheit: Sinneswandel

Dtsch Arztebl 2015; 112(50): A-2132

Krüger-Brand, Heike E.

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Welchen Beitrag kann Telemedizin im Hinblick auf die Versorgung im ländlichen Raum leisten?

Gute medizinische Versorgung sei nicht auf die räumliche Dimension zu reduzieren, sondern beinhalte eine Kompetenzkomponente, erklärte Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Vorsitzender des Telematikausschusses der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), bei einer Podiumsdiskussion während der Medizinmesse Medica. Auf dem Land würden durchaus längere Wege zu einem medizinischen Zentrum in Kauf genommen, wenn sichergestellt sei, dass die medizinische Versorgung dort gut sei und keine langen Wartezeiten bedeute. In den letzten Jahren zeichne sich zudem ein deutlicher Sinneswandel bei den Ärzten ab – mit bedingt durch einen Generationswechsel –, Versorgungsprobleme aktiv anzugehen und sich dabei auch der Telemedizin zu bedienen. Das Bewusstsein von der Notwendigkeit kooperativen Handelns sei nicht nur auf dem Land gewachsen, sondern sei generell spürbar. „Ohne diese Form der Vernetzung und Kompetenzübertragung wird es künftig nicht mehr gehen.“

Rhön setzt auf virtuelle Ambulanzen

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„In der Vergangenheit haben wir Telemedizin dort eingesetzt, wo wir selbst Funktionslücken hatten“, meinte Prof. Dr. Kurt Marquardt, Rhön Klinikum AG: Dies habe sich komplett gewandelt: „Heute ist Telemedizin ein Strukturmodell, mit dem man bestimmte Versorgungsstrukturen neu aufbauen kann und muss.“ Der private Klinikkonzern plant Versorgungskonstrukte speziell für ländliche Regionen und setzt dabei auf „virtuelle Ambulanzen“. Diese sollen an Universitätskliniken angesiedelt werden und von dort das Wissen und die Kompetenz in die Fläche bringen, „natürlich unter Einbindung der niedergelassenen Fachärzte“, so Marquardt. „Telemedizin hat nur dann eine gute Chance, wenn die Versorger selbst Geld in die Hand nehmen, um solche Strukturen aufzubauen. Und das tun wir“, meinte der Experte.

Etabliert: Videotherapie für Parkinson-Patienten

Bereits in der Regelversorgung angekommen ist laut Prof. Dr. med. Alfons Schnitzler, Uniklinikum Düsseldorf, die integrierte Parkinson-Videotherapie. Weil die Erkrankung sich schnell in der Ausprägung der Symptome verändern kann, sollte die Behandlung die häusliche Situation mit berücksichtigen. Über das Videomonitoring beim Patienten zu Hause kann der Arzt die Therapie individuell anpassen, ohne dass der Patient ins Zentrum kommen muss. „Die Erfahrungen sind extrem positiv“, berichtete Schnitzler. Die Qualität der Versorgung sei dadurch unabhängig vom Wohnort.

Der Berufsverband Deutscher Dermatologen (BVDD) will ab Januar 2016 Videosprechstunden über eine sichere Online-Plattform mit bis zu hundert Arztpraxen erproben. Angeboten werde das jedoch nur technikaffinen Bestandspatienten vor allem zur Verlaufskontrolle, erläuterte Dr. med. Klaus Strömer, BVDD-Präsident. „Wir dürfen, je mehr Telemedizin in die Medizin Eingang findet, das persönliche Gespräch mit dem Patienten nicht verlieren“, mahnte er. BÄK-Experte Bartmann hingegen sieht das Arzt-Patienten-Verhältnis durch telemedizinische Anwendungen nicht bedroht. Das durch das Internet veränderte Arzt-Patienten-Verhältnis sei die Voraussetzung dafür, dass Telemedizin überhaupt akzeptiert werde. „Empathie und persönliche Präsenz werden nicht dadurch aufgelöst, dass man andere Kommunikationsformen wählt“, betonte er.

Heike E. Krüger-Brand

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