SCHLUSSPUNKT

Schach: Alles hat ein Ende

Dtsch Arztebl 2015; 112(51-52): [64]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Vom Pallotiner-Pater Alois lernte ich einst, dass alles ein Ende habe, nur die Wurst habe deren zwei. Recht hatte er!

Dies wird die letzte Schachspalte im gedruckten Heft des Deutschen Ärzteblatt sein.

Ein wehmütiger Blick zurück. Unter der Überschrift „Roulette und Schach“ erschien im März 1993 die erste, in der ich das erste Deutsche Ärzteschachturnier in Baden-Baden ankündigte. Natürlich ahnte ich damals nicht, dass noch 22 weitere dieser Treffen mit jeweils etwa 150 Ärzten folgen sollten und dass zumindest bei den Turnieren kein Ende in Sicht ist. Und ebenso wenig war mir klar, dass sie in all den Jahren stets in Kurbädern mit einem Casino stattfänden beziehungsweise stattfanden. Immer galt also „Roulette und Schach“. Allerdings cum grano salis, obwohl manch Schachspieler im Augenblick des Verlusts, zumal durch widrige Umstände wie Zeitüberschreitung in Gewinnstellung, geneigt sein mag, das angeblich „Königliche Spiel“ mit dem Glücksspiel gleichzusetzen. Doch niemandem, der die zuweilen geradezu andächtige Stille im jeweiligen Kursaal miterlebte, wenn über all dem angestrengten und hingebungsvollen Nachdenken nur das Klicken der Schachuhren zu vernehmen war, werden Turgenjews Worte in „Dunst“ in den Sinn gekommen sein: „In den Spielsälen drängten sich um die grünen Tische dieselben schon allen bekannten Figuren, mit jenem stumpfen, zugleich aber gierigen, weder Verwunderung noch Bestürzung verratenden Ausdruck, den das Spielfieber selbst aristokratischen Zügen zu verleihen pflegt . . .“ Turgenjew war übrigens ein begeisterter Schachspieler, der sich in Baden-Baden sogar als Turnierorganisator hervortat.

So bedauerlich der Wegfall der gedruckten Schachspalte ist, so geht es doch weiter. Das Deutsche Ärzteblatt richtet mit Beginn des kommenden Jahres im Rahmen seines Online-Auftritts einen Blog mit dem Titel „Pflegers Schach med.“ unter blog.aerzteblatt.de rund um das Thema „Ärzteschach“ ein. Inhaltlich wird sich nicht allzu viel ändern, nur sticht einem die Spalte nicht mehr als Heftausklang ins Auge, sondern man muss sie aktiv aufsuchen. Ich würde mich freuen, wenn die regelmäßigen und gelegentlichen Leser dieser kleinen Rubrik den Schachspalten auch am neuen Platz die Treue halten.

Genug der Worte, (Ärzte-)Schach pur. Beim Turnier in Gibraltar traf Dr. med. Hans-Jörg Cordes auf die 20 Jahre junge chinesische Weltmeisterin Hou Yifan, die sich auch mit der männlichen Weltelite messen kann.

Dr. Cordes hatte mit einem Läufer für drei allerdings gefährliche Bauern hervorragend mitgehalten und konnte sich durchaus Hoffnungen auf ein Remis machen, doch in Zeitnot hatte er als Schwarzer zuletzt fehlerhaft Kh6-g5 gezogen. Mit welcher kleinen Kombination konnte Hou Yifan jetzt gewinnen?

Lösung:

Nach 1. h4+! war dieser Bauer wegen 1. . . . Kxh4 2.Dxf4 tabu, 1. . . . Kf5 verlor indes wegen der Fesselung 2. Tf1! entweder die Dame oder bei der „Schadensbegrenzung“ mit 2. . . . Lf3 den Läufer.

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    Plumpsklo
    am Mittwoch, 30. Dezember 2015, 16:06

    Ganz schwach, die Schachkolumne nicht mehr weiterzuführen!

    Liebes Deutsches Ärzteblatt

    Warum verschwindet die Schach-Kolumne aus der gedruckten Ausgabe des DÄ?
    Herr Pfleger hat hier immer mit viel Verstand und sehr geistreich geschrieben. Es wäre interessant zu wissen, warum der nun in den reinen online-Bereich "verbannt" wird. Dadurch wird das Heft selbst nicht interessanter, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

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