ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2015Choosing wisely: Erfahrung erforderlich
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. . . Es gibt kein Zuviel und kein Zuwenig an Diagnostik, es gibt nur falsche diagnostische Maßnahmen. Entscheidend ist allein Folgendes: Brauche ich eine sichere Diagnose zur Therapie oder nicht? Wenn eine Diagnose auf die Spitze getrieben werden muss, ergibt dies nur dann Sinn, wenn es eine Therapiekonsequenz hat.

Also vor jeder weiterführenden diagnostischen Maßnahme steht die grundsätzliche Frage: Ergibt es Sinn? Hat es eine Konsequenz? Einfaches Beispiel:

Wenn ich eine schmerzhafte Schulter behandele, ist die Frage an den Patienten vor weiterführender Diagnostik, ob er sich, wenn es eine Möglichkeit gäbe, operieren lassen will; wenn dies der Patient verneint, brauche ich keine weitere Diagnostik, brauche ich kein Kernspintomogramm. Ich verlasse mich auf meine Erfahrung für die Behandlung konservativ ohne teure Diagnostik.

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Was man tatsächlich braucht, um den Mut zu haben, einmal etwas zu unterlassen – und dies ist viel öfter möglich als heutzutage üblich –, ist die Erfahrung.

Und diese Erfahrung muss von älteren Kollegen auf die jüngeren weitergegeben werden, und die Jüngeren müssen offen sein für die Weitervermittlung von Erfahrungen der älteren Kollegen. Was heute vorherrscht, ist eine Leichtgläubigkeit an Leitlinien, an sogenannten evidenzbasierten Vorgaben und Empfehlungen. Dies wird dann ohne darüber nachzudenken streng nach dem Buchstaben durchgeführt, ob es sinnvoll ist oder nicht.

Der Patient, der vor dem Arzt sitzt, ist ein Individuum, was sehr häufig weder in Leitlinien, noch in evidenzbasierte Empfehlungen passt. Ich muss individuell und aufgrund meiner Erfahrung selbstkritisch entscheiden.

Dr. med. Willibald Hobmair, 72764 Reutlingen

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