ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2015Rainer Kiefmann: Erste Professur für Gerontoanästhesiologie

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Rainer Kiefmann: Erste Professur für Gerontoanästhesiologie

Hibbeler, Birgit

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Rainer Kiefmann, Foto: UKE
Rainer Kiefmann, Foto: UKE

Die Gedächtnisleistung älterer Menschen kann sich während eines Klinikaufenthaltes verschlechtern. Ungewohnte Umgebung, OP und Narkose begünstigen ein perioperatives Delir – früher auch „Durchgangssyndrom“ genannt. Mit dem Delir erhöht sich das Risiko für eine dauerhafte kognitive Störung. Viel seltener wird die postoperative kognitive Dysfunktion (POCD) diagnostiziert. Sie verläuft meist weniger auffällig. „Dann heißt es: Opa ist seit der OP nicht mehr derselbe“, berichtet Prof. Dr. med. Rainer Kiefmann (45). Gesellschaftlich werde es durchaus als schicksalhaft empfunden, wenn es zu Einschränkungen komme.

Kiefmann ist Anästhesist und Inhaber der deutschlandweit ersten W2-Professur für Gerontoanästhesiologie. Es handelt sich um eine Dr. Günther Buch-Stiftungsprofessur am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die POCD ist sein Schwerpunkt: Wie kann man im Vorfeld Riskofaktoren erkennen; wie lassen sich Klinikaufenthalt und Narkose so gestalten, dass der Patient keine POCD entwickelt? „Die dazu vorliegenden Daten sind schwach“, sagt Kiefmann. Die Art der OP scheine eine Rolle zu spielen sowie die Narkosedauer und bestehende kognitive Einschränkungen. „Benzodiazepine als Prämedikation scheinen bei alten Menschen kontraproduktiv zu sein“, betont er.

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Der ganzheitliche Blick auf die Belange älterer Patienten, auf ihre körperlichen und kognitiven Probleme – das ist in der Anästhesie nicht gerade die Regel. Für Kiefmann gibt es dazu keine Alternative. „Das ist die Zukunft unseres Faches.“ Birgit Hibbeler

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