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Frank Schneider: NS-Verbrechen und die Mitwirkung der Ärzte

Dtsch Arztebl 2015; 112(51-52): A-2209 / B-1817 / C-1763

Gerst, Thomas

Frank Schneider, Foto: RWTH Aachen
Frank Schneider, Foto: RWTH Aachen

„Psychiater haben in der Zeit des Nationalsozialismus Menschen verachtet, die ihnen anvertrauten Patientinnen und Patienten in ihrem Vertrauen getäuscht und belogen, die Angehörigen hingehalten, Patienten zwangssterilisieren und töten lassen und auch selber getötet.“ Mit diesen Worten leitete Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. Frank Schneider im Jahr 2010 seine Rede als Präsident vor dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ein. Als DGPPN-Präsident setzte sich Schneider mit großem Nachdruck dafür ein, die Mitwirkung seiner Profession insbesondere an der NS-„Euthanasie“ wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Für das Bemühen darum, „dass die Rolle der Psychiatrie während der NS-Zeit verbandsintern untersucht und öffentlich bekannt gemacht wird“, wurde Schneider am 21. November mit dem Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ der gleichnamigen Vereinigung ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung in Duisburg verwies Schneider auf das lange Schweigen der Ärzte über die massenhaften Morde an psychisch Kranken und die Zwangssterilisationen. „Die Fachvertreter standen auch in der Bundesrepublik lange Zeit nicht aufseiten der Opfer.“ Laudator bei der Preisverleihung war Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer. Er würdigte das Engagement und den Mut, den Schneider in seinem Bereich gezeigt habe, um das Schweigen zu brechen. „Wer die Schuld nicht aufarbeitet, wird zum Mitläufer“, sagte Montgomery. Thomas Gerst

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