ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2015Sekundärprävention bei Koronarer Herzkrankheit: SMS zum Lebensstil senkt Cholesterin und Blutdruck

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sekundärprävention bei Koronarer Herzkrankheit: SMS zum Lebensstil senkt Cholesterin und Blutdruck

Siegmund-Schultze, Nicola

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In einer randomisierten, kontrollierten, einfach verblindeten Untersuchung mit KHK-Patienten ist untersucht worden, ob semipersonalisierte Nachrichten über das Mobiltelefon mit kurzen Erinnerungen an gesundes Verhalten, mit Motivation dazu oder als Verstärkung gesunde Lebensstilfaktoren positiv beeinflussen können. Randomisiert wurden 710 erwachsene Probanden nach Herzinfarkt oder mit angiographisch gesicherter KHK. Vor Beginn der Testphase erfuhren sie, ob sie in der Kontrollgruppe (n = 358) mit Standardbetreuung waren oder in der SMS-Gruppe (n = 352). Die Teilnehmer hatten vergleichbare Ausgangswerte und Merkmale und wurden gebeten, das Klinikpersonal nicht über ihre Studiengruppenzugehörigkeit zu informieren.

Probanden der SMS-Gruppe erhielten Nachrichten aus einem Nachrichtenpool, in dem 3 kardiovaskulär relevante Lebensstilaspekte berücksichtigt waren: Ernährung, Rauchen und Bewegung. Ein weiteres Modul bezog sich auf Symptome der KHK, Medikation und Arzneimittelcompliance. Aus diesen Modulen wurden nach dem Zufallsprinzip, aber adaptiert an Merkmale des Patienten wie Raucherstatus oder Ernährungsstil – Vegetarier erhielten keine Informationen zu Fleischkonsum, Nichtraucher keine zum Rauchen – an 4 Tagen in der Woche Nachrichten gesandt, zum Beispiel: „Waren Sie heute schon etwas spazieren, Jane?“ oder: „Finden Sie heraus, in welchen Situationen Sie rauchen und versuchen Sie, diese Situationen zu vermeiden.“

Primärer Endpunkt war das LDL-Cholesterin ein halbes Jahr nach Studienbeginn, sekundäre Endpunkte waren systolischer Blutdruck, Body Mass Index (BMI) und Raucherstatus ebenfalls nach 6 Monaten. Das durchschnittliche LDL lag in der SMS-Gruppe mit 79 mg/dL (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 76–82) mit signifikant unter dem der Kontrollgruppe (84 mg/dL; 95-%-KI: 81–87; p = 0,04), ebenso der systolische Blutdruck: Er betrug durchschnittlich 128,2 mmHg (95-%-KI: 126,7–129,8) im Prüfarm und 135,8 mmHg (95-%-KI: 134,3–137,3; p < 0,001) im Kontrollarm. Die SMS-Gruppe hatte einen durchschnittlichen BMI von 29,0 (95-%-KI: 28,8–29,3), die Kontrollgruppe von 30,3 (95-%-KI: 30,1–30,5; p < 0,001). In der Interventionsgruppe rauchten von ursprünglich 52,3 % noch 26,0 %, im Kontrollarm von 53,9 % noch 42,9 %; relatives Risiko Intervention vs. Kontrolle: 0,61; 95-%-KI: 0,48–0,76; p < 0,001).

Fazit: „Diese Studie zeigt eindrucksvoll, wie einfache SMS-Botschaften Menschen zu Verhaltensänderungen motivieren, die sich messbar niederschlagen“, erläutert Prof. Dr. med. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig. „Die Studie verweist auf das Potenzial neuer Medien in der Prävention und Gesund­heits­förder­ung, auch für Deutschland.“ Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Chow CK, Redfern J, Hillis GS, et al.: Effect of lifestyle-focused text messaging on risk factor modification in patients with coronary heart disease. JAMA 2015; 314: 1255–63.

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