ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2015Standardisierung: Sichere Gerätekommunikation im OP

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Standardisierung: Sichere Gerätekommunikation im OP

Krüger-Brand, Heike E.

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Der VDE hat ein Weißbuch vorgelegt, das Handlungsempfehlungen zur Interoperabilität der Medizingeräte in der Klinik gibt.

Katheterlabor mit moderner Medizintechnik. Foto: BVMed
Katheterlabor mit moderner Medizintechnik. Foto: BVMed

Die Vernetzung medizintechnischer Geräte in Klinik und Operationssaal (OP) kann einerseits die Patientensicherheit erheblich erhöhen und andererseits zu einer Marktöffnung führen, die es den Anwendern gestattet, unter den auf dem Markt verfügbaren Komponenten und Systemen frei zu wählen. Voraussetzung dafür ist, dass die Geräte sichere offene Standards benutzen, um miteinander zu kommunizieren. Vor diesem Hintergrund hat der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik während der diesjährigen Medica das Weißbuch „Interoperabilität von Geräten und Systemen in OP und Klinik“ als eine Art Roadmap für die weitere Entwicklung vorgestellt.

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Derzeit verwenden die Medizingerätehersteller proprietäre Kommunikationsprotokolle und stellen oft uneinheitliche Anforderungen an die Bedienung. In den Kliniken führe das zu starren Strukturen und langen Innovationszyklen, kritisierte Priv.-Doz. Dr. med. Michael Czaplik, Klinik für Anästhesiologie der Uniklinik der RWTH Aachen. Die Vernetzung der Komponenten sei schwierig, und oft komme es zu Doppeldokumentationen, weil die Systeme nicht vernetzt seien.

Stufenweiser Prozess von etwa fünf Jahren

Nachteilig ist Czaplik zufolge auch, dass die Kliniken bei Produktinnovationen nicht das für den Patienten beste Gerät wählen können, sondern dasjenige kaufen müssen, das gemeinsam mit den anderen funktioniert. Alternativ dazu müssten sie das gesamte System auswechseln. Das aber ist teuer und birgt Risiken, insbesondere bei technischen Umstellungen und Zukäufen inkompatibler Komponenten.

Das Weißbuch analysiert den Standardisierungsstand bei der Vernetzung medizinischer Geräte im OP sowie deren Anbindung an die Informationssysteme und gibt einen Überblick über die rechtlichen Anforderungen und internationale Normen, etwa beim Risikomanagement. Darauf aufbauend entwickelt es Handlungsempfehlungen, in welche Richtung sich die Standardisierung bewegen sollte, um die Interoperabilität der Geräte in der Klinik zu sichern. Der VDE geht davon aus, dass Innovationen mit offenen Standards und sicheren Schnittstellen in einem stufenweisen Prozess in fünf Jahren zur Verfügung stehen werden.

Einen Entwicklungsschub hat vor allem das vom Bun­des­for­schungs­minis­terium geförderte Forschungsprojekt „OR.NET – Sichere dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“ gebracht, in dem mehrere vielversprechende Standards entwickelt wurden, die den Standardisierungsorganisationen vorgelegt wurden. Ein Beispiel dafür ist das Open Surgical Communication Protocol (OSCP), das die Grundlage für die Konformitätserklärung für vernetzte medizinische Geräte darstellt. Auf Initiative des VDE haben sich die deutschen Branchenverbände bereits darauf verpflichtet.

Um die Interoperabilität zu sichern, fordert der VDE, die internationale Standardisierung weiter voranzutreiben. „Die Datensicherheit, -erfassung und -kontrolle müssen weiter standardisiert und implementiert werden“, betonte Dr.-Ing. Frank Golatowski, Institut für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik, Universität Rostock. Der Gesetzgeber sollte die Verwendung von Standards fördern und fordern, meinte der Experte. Ebenso sollten die Anwender und Kliniken die in OR.NET entwickelten Standards in den Ausschreibungen einfordern, um damit Qualitätsanforderungen in der Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

Heike E. Krüger-Brand

@VDE-Weißbuch:
http://d.aerzteblatt.de/NM91

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