ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2015Thrombosetherapie bei Tumorpatienten: Tinzaparin hat gegenüber Warfarin keine Vorteile

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Thrombosetherapie bei Tumorpatienten: Tinzaparin hat gegenüber Warfarin keine Vorteile

Dtsch Arztebl 2015; 112(51-52): A-2203 / B-1811 / C-1757

Heinzl, Susanne

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Eine venöse Thromboembolie (VTE) ist bei Tumorpatienten häufig. Zur Therapie werden niedermolekulare Heparine (NMH) empfohlen. Diese Empfehlung basiert auf den Ergebnissen nur einer Studie. Nun wurden in der CATCH-Studie Wirksamkeit und Verträglichkeit des NMH Tinzaparin mit oralem Warfarin zur Therapie der VTE bei Krebspatienten verglichen.

In die offene, randomisierte Studie wurden 900 erwachsene Patienten mit aktiver Krebserkrankung, dokumentierter VTE oder Lungenembolie und einer Lebenserwartung von mindestens 6 Monaten eingeschlossen. Sie erhielten Tinzaparin (175 I.E./kg KG) einmal täglich oder eine konventionelle Therapie aus Tinzaparin für 5–10 Tage gefolgt von Warfarin (Ziel-INR: 2,0–3,0) jeweils über 6 Monate. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die Kombination aus zentral bestätigten, erneuten tiefen Venenthrombosen, tödlichen oder nichttödlichen Lungenembolien und zufälligen VTE. Die Sicherheit wurde anhand klinisch relevanter Blutungen und der Gesamtsterblichkeit beurteilt.

Unter Tinzaparin traten binnen 6 Monaten bei 31/449 Patienten erneute VTE auf, unter Warfarin bei 45/451 Patienten (kumulative Inzidenz Tinzaparin: 7,2 %, Warfarin: 10,5 %; Hazard-Ratio [HR]: 0,65; p = 0,07). Der primäre Wirksamkeitsendpunkt konnte also durch Tinzaparin nicht signifikant verbessert werden. Auch die Rate schwerer Blutungen und die Sterblichkeit waren in beiden Gruppen ähnlich. Nur klinisch relevante nicht-schwerwiegende Blutungen waren mit dem NMH signifikant seltener als mit dem Vitamin-K-Antagonisten (HR: 0,58; p = 0,004).

Kumulative Inzidenz erneuter venöser Thromboembolien bei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung
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Kumulative Inzidenz erneuter venöser Thromboembolien bei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung

Fazit: Die bislang größte Studie zur VTE-Therapie von Krebspatienten ergab keinen signifikanten Vorteil von Tinzaparin gegenüber Warfarin bei Wirksamkeit und Sicherheit. „Auch wenn die Catch-Studie nicht das erwartete Ergebnis geliefert hat, zeigen die Kaplan-Meier-Kurven für das Auftreten einer neuerlichen VTE, dass in den ersten 3 Monaten die Heparin- und Warfarin-Kurven am stärksten divergieren, so Prof. Dr. med. Thomas Gary, Abteilung Angiologie der Uniklinik Graz. „Ob der Unterschied signifikant ist, kann mangels Auswertung nicht gesagt werden.“ Trotz dieser Ergebnisse würde er seine Patienten mit tumorassoziierter VTE zuerst 3 Monate mit einem Heparin therapieren. Danach folge eine Risiko- und Nutzenabwägung und je nach Vorliebe des Patienten und Komorbiditäten (Chemotherapie, zu erwartende invasive Maßnahmen) würde man das Heparin mit vielen Dosierungsmöglichkeiten und daher guter Anpassung an das Blutungsrisiko oder einen VKA wählen. Ursache für die Ergebnisse der Catch-Studie sei die geringe VTE-Rate in der Warfarin-Gruppe.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Lee AYY: Tinzaparin vs warfarin for treatment of acute venous thromboembolism in patients with active cancer: a randomized clinical trial. JAMA 2015; 314: 677–86.

Kumulative Inzidenz erneuter venöser Thromboembolien bei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung
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Kumulative Inzidenz erneuter venöser Thromboembolien bei Patienten mit aktiver Tumorerkrankung

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