ArchivMedizin studieren4/2015Prävention: Da muss mehr gehen!

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Prävention: Da muss mehr gehen!

Hillienhof, Arne

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Medizinstudierende fordern von der Politik größere Anstrengungen bei der Prävention.

Foto: Fotolia/Rangizzz
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Prävention darf keine Angelegenheit von Ärzten und anderen Gesundheitsspezialisten bleiben. Gesunde Lebensbedingungen zu schaffen und Krankheiten zu vermeiden ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft und der Politik, die dafür die Rahmenbedingungen schaffen muss. Das fordert die bvmd. „Eine kluge Präventionspolitik kann die in Gesundheit verbrachte Lebenszeit verlängern, gesundheitliche Ungleichheiten abbauen und Gesundheitskosten reduzieren“, schreibt die Medizinstudierendenvertretung in einem Positionspapier. Weil dem so sei, gebe es eine medizinische, ethische und auch ökonomische Pflicht zu einer effektiven Präventionspolitik. Das Mitte 2015 beschlossene Präventionsgesetz sehe zwar verschiedene sinnvolle Maßnahmen vor, „es bleibt jedoch deutlich hinter dem Möglichen und Notwendigen zurück“, so die bvmd.

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Wie sollte gute Präventionspolitik also aus Sicht der Medizinstudierenden aussehen? Wichtig sei, die Prävention aus der Nische „Gesundheitswesen“ herauszuholen und gesamtgesellschaftliche Maßnahmen umzusetzen. Die bvmd fordert zum Beispiel eine Steuerpolitik, die Verbrauchern und Herstellern einen Anreiz für das Anbieten und den Konsum gesunder Lebensmittel und Rohstoffe bietet. Lebensmittel müssten künftig zudem eindeutig gekennzeichnet sein, damit die Konsumenten in der Lage sind, die Gesundheitswirkungen von Lebensmitteln effektiv einzuschätzen. Die Medizinstudierenden fordern außerdem eine striktere Regulierung von Werbung, die sich an Kinder richtet, und ein vollständiges Werbeverbot für Tabakprodukte und alkoholische Getränke.

Ein wichtiges Thema ist die Ernährung: Kinder und Jugendliche brauchten in der Schule und am Ausbildungsplatz eine attraktive und gesunde Ernährung. Das gehe nicht ohne verbindliche Qualitätsstandards und Zuschüsse an sozial benachteiligte Gruppen.

„Gesunde Städte“ sind ein weiteres Stichwort: Die Verkehrs- und Stadtplanungspolitik müsse körperliche Bewegung in Alltag und Freizeit fördern, indem sie die Fortbewegung zu Fuß und mit dem Fahrrad attraktiv macht. „Der öffentliche Raum sollte so gestaltet werden, dass er zu Sport und Bewegung einlädt“, schreibt die bvmd.

Sie kritisiert außerdem, dass im Augenblick vor allem Personen mit hohem sozioökonomischen Status Präventionsinitiativen nutzen. Wichtig sei, die Maßnahmen gezielt auf bisher nicht erreichte Bevölkerungsgruppen auszurichten. Damit dies gelinge, müsse auch die Präventionsforschung gestärkt werden.

Wichtig sei außerdem, die Themen Prävention und Gesund­heits­förder­ung stärker ins Medizinstudium einzubinden. „Die bvmd bemüht sich mit vielerlei Projekten – Aufklärung Organspende, Mit Sicherheit Verliebt und anderen – ein Bewusstsein für Prävention schon im Studium zu schaffen“, erklärte die bvmd gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt Medizin studieren. Aber Realismus ist gefragt: „Eine wirklich nachhaltige Prävention wird vielleicht erst mit der nächsten Generation von Ärzten Einzug in unser Gesundheitswesen nehmen“, vermutet die bvmd.

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