ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2016Versorgungsforschung: In hohem Maße erfolgreich

POLITIK

Versorgungsforschung: In hohem Maße erfolgreich

Dtsch Arztebl 2016; 113(1-2): A-12 / B-11 / C-11

Osterloh, Falk

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Seit 2005 fördert die BÄK die Versorgungsforschung mit viel Geld und Engagement. Dass diese Initiative so erfolgreich ist und dass nun auch die Politik nachzieht, ist vor allem Peter Scriba zu verdanken.

Aufmerksame Zuhörer: Frank Ulrich Montgomery, Peter Scriba und Scribas Gattin Ursula. Foto: Gerog J. Lopata
Aufmerksame Zuhörer: Frank Ulrich Montgomery, Peter Scriba und Scribas Gattin Ursula. Foto: Gerog J. Lopata

Experten aus Ärzteschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft haben bei einem Symposium der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) die große Bedeutung der Versorgungsforschung für die Patientenversorgung in Deutschland betont. „Mit der Förderung der Versorgungsforschung hat die Bundes­ärzte­kammer ein wissenschaftliches Instrument zur Untersuchung der Versorgung unter Alltagsbedingungen begonnen“, erinnerte BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Im Rahmen ihrer Initiative zur Versorgungsforschung hat die Bundes­ärzte­kammer ab dem 108. Deutschen Ärztetag im Jahr 2005 entsprechende Projekte mit insgesamt fünf Millionen Euro gefördert.

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„Diese Initiative ist in hohem Maße erfolgreich“, betonte Montgomery. Durch sie hätten viele Impulse zur Verbesserung der Patientenversorgung gegeben werden können, zum Beispiel bei der Palliativmedizin, der Prävention und dem Qualitätsmanagement. „Mittlerweile hat auch die Politik die Versorgungsforschung entdeckt“, so der BÄK-Präsident weiter.

Mit der Implementierung des Innovationsfonds im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes werde die Bedeutung der Versorgungsforschung als Instrument der Gesundheitssystemanalyse nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch anerkannt. „Dass wir das geschafft haben und dass es erfolgreich war, ist das Werk von Peter Scriba“, so Montgomery.

Prof. Dr. med. Peter Scriba ist seit 2002 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Bundes­ärzte­kammer. Im August feierte er seinen 80. Geburtstag. Das Symposium wurde ihm zu Ehren ausgerichtet.

„Die Versorgungsforschung will erreichen, dass der einzelne Patient so nah wie möglich an das Optimum der für ihn denkbaren Versorgung herangeführt wird“, erklärte Scriba. Die Ärztekammern seien daran interessiert, die Ergebnisse aus der Versorgungsforschung in Leitlinien zu übertragen. Die Initiative der BÄK sei zu einer Zeit durchgeführt worden, in der die Versorgungsforschung noch ein kümmerliches Dasein geführt habe. „Das war ein hervorragendes Signal an die Öffentlichkeit“, so Scriba.

Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz, befand, dass die besten Leitlinien der Welt aus Deutschland kämen und dass sowohl Leitlinien als auch Richtlinien für ein sauberes Wissen im System sorgten. „Die Ärzteschaft hat auf freiwilliger Basis früh evidenzbasierte Medizin propagiert und Leitlinien erstellt – ohne gesetzlichen Auftrag“, sagte Jonitz. Sehr gut sei es, dass sich jeder klinisch tätige Arzt über die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in die Erstellung von Leitlinien einbringen könne.

Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg, Präsident der AWMF, unterstrich am Beispiel der Brustkrebstherapie, welche Bedeutung Leitlinien für die Patientenversorgung haben. So habe im Rahmen einer Studie gezeigt werden können, dass eine nicht-leitlinienkonforme Therapie einen Überlebenszeitverlust von bis zu 30 Prozent bedeuten könne.

Prof. Dr. med. Thomas Mansky von der Technischen Universität Berlin betonte, dass Versorgungsforschung unabhängig finanziert werden müsse. „Wir brauchen einen unabhängigen Zugriff auf die Versorgungsdaten“, sagte er. „Versorgungsforschung sollte neben der Begleitforschung zudem systematisch die Umsetzung von Strukturreformen unabhängig untersuchen.“ Dann könne sie auch zur Systemverbesserung beitragen.

Falk Osterloh

Peter Scriba

Prof. Dr. med. Peter Scriba wurde 1935 in Hamburg geboren. Als Arzt gelang es ihm Zeit seines Berufslebens, die medizinische Versorgung in Deutschland zu verbessern. Er trug dazu bei, die Laboratoriumsdiagnostik endokriner Erkrankungen zu etablieren und die Jodierung von Speisesalz gesetzlich zu verankern. Als Standespolitiker setzte er sich für die Verbesserung der Versorgungsforschung ein.

2002 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Jahr wurde er auf dem Deutschen Ärztetag mit der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft geehrt. Bis heute ist Scriba Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Bundes­ärzte­kammer.

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