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Ingo Franke: Engagiert im Kinderschutz

Dtsch Arztebl 2016; 113(1-2): A-35 / B-31 / C-31

Bühring, Petra

Ingo Franke, Foto: Uniklinikum Bonn
Ingo Franke, Foto: Uniklinikum Bonn

Bei Vorträgen werde er meist mit betretenem Gesicht angekündigt. Das ist der, der sich mit schlimmen und traurigen Sachen beschäftigt: mit Kindesmissbrauch. Dr. med. Ingo Franke versucht dann klarzustellen, dass die Arbeit im medizinischen Kinderschutz nicht mehr oder weniger belastend ist wie beispielsweise die Kinderonkologie oder andere Gebiete der Medizin.

Der 52-Jährige leitet zusammen mit einem interdisziplinären Team von der Klinik und Poliklinik für Allgemeine Pädiatrie am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn seit 2014 das Projekt zur Erstellung einer S3-Leitlinie Kinderschutz. Denn Anzeichen von Misshandlung und Vernachlässigung bei Kindern rechtzeitig zu erkennen, obliegt nicht nur Lehrern, Erziehern und der Jugendhilfe, sondern insbesondere auch Ärzten. Die neue Leitlinie soll all diesen Berufsgruppen im Umgang mit Verdachtsfällen helfen.

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„Es ist viel Unsicherheit und Unwissenheit da“, sagt Franke. Immer noch. Ausschlaggebend, um sich im Kinderschutz zu engagieren, war für ihn der Fall eines elfjährigen Mädchens, das er Anfang der 90er Jahre als junger Arzt im Praktikum behandelt hat. Das Mädchen erzählte auf der Kinderstation allen, dass „der Papa mich bumst“. Die Psychologin bezeichnete sie als „völlig überlagert“, der Gynäkologe diagnostizierte „virgo intakta“. Keiner half dem Kind. Jahre später erfuhr Franke, dass der Vater verurteilt wurde, weil er das Mädchen über Jahre missbraucht hatte. „Diese dramatische Geschichte zeigt, dass man viel falsch machen kann“, sagt Franke. Er will dazu beitragen, dies zu ändern. Petra Bühring

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