ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2016Renaissance von Digitoxin überfällig
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Eine 12-seitige Übersichtsarbeit zur Herzinsuffizienz ist sehr verdienstvoll (1). Es irritiert freilich, wenn bei diesem Gesamtumfang ganze sechs Zeilen den positiv inotropen Digitalisglykosiden gewidmet werden. Dabei wird eine Differenzierung von Digoxin und Digitoxin vermisst. Für Digitoxin (aus Digitalis purpurea) liegen seit langem positive Erfahrungen vor. Noch vor etwa 50 Jahren waren Digitoxin (oral, i. v.) und Strophanthin (i. v.) in täglichem ärztlichen Einsatz. Dann betonten die Klinischen Pharmakologen, dass Digoxin (aus Digitalis lanata) „besser steuerbar“ sei. Denn es verfügt über eine geringere Sättigungsdosis und wird rascher wieder ausgeschieden. Digoxin galt nun als moderner und verdrängte das Digitoxin fast vollständig (2). Dabei wurde von Anfang an verkannt, dass die Daten der klinischen Pharmakologen von jungen Studenten stammten, die Herzinsuffizienz aber in der Regel im Alter auftritt. Beim alten Menschen geht physiologischerweise die Nierenfunktion zurück. Für das renal ausgeschiedene Digoxin besteht hier Kumulationsgefahr mit Vergiftungserscheinungen wie Herzrhythmusstörungen. Digitoxin wird dagegen hepatisch ausgeschieden und kumuliert im Alter nicht. Im Zweifelsfall lassen sich leicht Spiegelbestimmungen vornehmen. Wie eigentlich zu erwarten, waren die klinischen Erfahrungen mit Digoxin enttäuschend. Die Indikationen wurden reduziert und beschränken sich zurzeit auf die Tachyarrhythmia absoluta. Es mehren sich aber Studienergebnisse, die auch für diese Indikation eine höhere Letalität unter Digoxin ausweisen. Diese soll bis zu 27 % höher sein (3). An der Medizinischen Hochschule Hannover wurde nun eine Digitoxinstudie aufgelegt. Diese wird sicher die positive Wirkung von Digitoxin bestätigen und die Bevorzugung von Digoxin als eine Fehlentwicklung bestätigen! Eine Renaissance von Digitoxin ist im Interesse der vielen betroffenen Patienten überfällig.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0039b

Prof. Dr. med. habil. Christian Tauchnitz

Mikrobiologie und Innere Medizin, Leipzig

tauchnitz.christian@web.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Hummel A, Empen K, Dörr M, Felix SB: De novo acute heart failure and acutely decompensated chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 298–310 VOLLTEXT
2.
Overbeck P: Vorhofflimmern: Digoxin gerät erneut unter Verdacht. Ärzte Zeitung 2014; 33: 10.
3.
Overbeck P: Digitalis-Therapie bei Vorhofflimmern: Auf ewig unter Verdacht?
Ärzte Zeitung 2015; 34: 2 und 8.
1.Hummel A, Empen K, Dörr M, Felix SB: De novo acute heart failure and acutely decompensated chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 298–310 VOLLTEXT
2.Overbeck P: Vorhofflimmern: Digoxin gerät erneut unter Verdacht. Ärzte Zeitung 2014; 33: 10.
3.Overbeck P: Digitalis-Therapie bei Vorhofflimmern: Auf ewig unter Verdacht?
Ärzte Zeitung 2015; 34: 2 und 8.

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