ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2016Entscheidend ist ein möglichst rascher Beginn
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Im Abschnitt „mechanischen Kreislaufunterstützung“ (MCS) wird auf die Möglichkeit der Verwendung ventrikulärer Unterstützungssysteme (VADs) oder der extrakorporalen Membranoxygenation (ECMO/ECLS) nur bei potenzieller Reversibilität der Ursache des kardiogenen Schocks hingewiesen (1).

Für die Behandlung mit mechanischen Kreislaufunterstützungssystemen ist das Vorliegen einer reversiblen Ursache nicht relevant. Wir möchten im Gegenteil vorschlagen, die Entscheidung zur Implantation von der um die Herzinsuffizienz bereinigten Prognose des Patienten abhängig zu machen. Sollte unter MCS eine Besserung der Herzfunktion auftreten, kann das System ersatzlos explantiert werden. Sollte sich der Allgemeinzustand des Patienten stabilisieren, die Herzfunktion aber unzureichend bleiben, ist (bei ansonsten akzeptabler Prognose!) der Wechsel auf ein permanentes VAD (gegebenenfalls auch eine Transplantation) möglich.

Entscheidend ist ein möglichst rascher Beginn der mechanischen Unterstützung, deren Erfolgsrate mit zunehmender Tiefe des Schocks immer geringer wird (2). Ein Schwerpunkt des Artikels ist die akut dekompensierte chronische Herzinsuffizienz. Hier sollte auf die Rolle der mechanischen Kreislaufunterstützung explizit hingewiesen werden. Die ESC-Guidelines sehen eine VAD-Implantation immer dann indiziert, wenn ein ausreichend medikamentös behandelter Patient rezidivierend dekompensiert und zusätzlich zur Linksherzinsuffizienz bereits eine eingeschränkte Rechtsherzfunktion sowie sekundäre Organfunktionsstörungen (eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion) aufweist (3). Diese Konstellation sehen wir in der Praxis sehr häufig, ohne dass über die Möglichkeit einer VAD-Implantation aufgeklärt werden würde. Erfolgt die Implantation dann erst im Rahmen einer hämodynamischen Dekompensation, ist die Aussicht auf Erfolg deutlich geringer (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0039c

Dr. med. Felix Hennig

PD Dr. med. Evgenij V. Potapov

Prof. Dr. med. Volkmar Falk

Prof. Dr. med. Thomas Krabatsch

für das MCS-Team Deutsches Herzzentrum Berlin

fhenning@gmx.net

Interessenkonflikt

PD Potapov bekam Erstattung für Teilnahmegebühren von Kongressen von HeartWare sowie Reise- und Übernachtungskosten von HeartWare und Thoratec. Für ein von ihm initiiertes Forschungsvorhaben erhielt er Unterstützung von Berlin Heart, HeartWare und Thoratec.

Prof. Falk erhielt Honorare für Beratertätigkeiten von Berlin Heart und HeartWare. Er bekam Erstattung für Teilnahmegebühren von Kongressen sowie Reise- und Übernachtungskosten von BerlinHeart, HeartWare, Edwards, Medtronic, und St Jude Medical. Für ein von ihm initiiertes Forschungsvorhaben erhielt er Unterstützung von Philips und Siemens. Für die Durchführung von klinischen Studien bekam er Gelder von Berlin Heart und HeartWare.

Dr. Hennig und Prof. Krabatsch erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Hummel A, Empen K, Dörr M, Felix SB: De novo acute heart failure and acutely decompensated chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 298–310 VOLLTEXT
2.
Lebreton G, Pozzi M, Mastroianni C, Léger P, Pavie A, Leprince P: Extracorporeal life support as a bridge to bridge: a strategy to optimize ventricular assist device results. Eur J Cardiothorac Surg 2015; doi:10.1093/ejcts/ezu516 CrossRef
3.
McMurray JJ, Adamopoulos S, Anker SD, et al.: ESC guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart fail- ure 2012: The task force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2012 of the European Society of Cardiology. developed in collaboration with the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. Eur Heart J 2012; 33: 1787–847 CrossRef MEDLINE
4.
Kirklin JK, Naftel DC, Pagani FD, et al.: Sixth INTERMACS annual report: A 10 000-patient database. J Heart Lung Transplant 2014; 33: 555–64 CrossRef MEDLINE
1.Hummel A, Empen K, Dörr M, Felix SB: De novo acute heart failure and acutely decompensated chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 298–310 VOLLTEXT
2.Lebreton G, Pozzi M, Mastroianni C, Léger P, Pavie A, Leprince P: Extracorporeal life support as a bridge to bridge: a strategy to optimize ventricular assist device results. Eur J Cardiothorac Surg 2015; doi:10.1093/ejcts/ezu516 CrossRef
3.McMurray JJ, Adamopoulos S, Anker SD, et al.: ESC guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart fail- ure 2012: The task force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2012 of the European Society of Cardiology. developed in collaboration with the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. Eur Heart J 2012; 33: 1787–847 CrossRef MEDLINE
4.Kirklin JK, Naftel DC, Pagani FD, et al.: Sixth INTERMACS annual report: A 10 000-patient database. J Heart Lung Transplant 2014; 33: 555–64 CrossRef MEDLINE

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