Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Seit längerem mehren sich die Hinweise auf eine Übersterblichkeit unter Digoxin (1), allerdings in der Anwendung bei einer stabilen chronischen Herzinsuffizienz. Bei Patienten in der Akutphase der Herzinsuffizienz werden Digitalispräparate primär nicht wegen ihrer inotropen Wirkung, sondern wegen ihrer negativen Dromotropie bei der Tachyarrhythmia absoluta eingesetzt, so dass das Einsatzgebiet in diesem Umfeld begrenzt wurde. Bei progredienter chronischer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III und IV haben Digitalispräparate aber sowohl ihren positiven Einfluss auf eine Symptomverbesserung wie auch auf eine Reduktion der Rehospitalisierung gezeigt und können auf individueller Basis erwogen werden.

Mit der Weiterentwicklung und zunehmenden Erfahrung in der Anwendung der temporären mechanischen Kreislaufunterstützungssysteme ergibt sich die Möglichkeit des Einsatzes in verschiedenen Entscheidungssituationen des kardiogenen Schocks, so als „Bridge-to-diagnostics“, „Bridge-to-bridge“, „Bridge-to-recovery“ und „bridge-to-transplantation“. Wir danken den Autoren Spiliopoulus et al. und Hennig et al. für die Hinweise, insbesondere auf den rechtzeitigen Einsatz zur Prävention des irreversiblen Multiorganversagens im kardiogenen Schock beziehungsweise zur Unterstützung des Kreislaufes vor, während und nach der koronaren Revaskularisation im infarktbedingten kardiogenen Schock. Etablierte beziehungsweise aussichtsreiche Einsatzgebiete der ECMO sind des Weiteren die fulminante Myokarditis, der Schock durch eine massive Lungenembolie, therapierefraktäre ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern und die Unterstützung bis zur Erholung nach Herztransplantationen und nach Herzoperationen. Trotzdem bleibt die Mortalitätsrate in einzelnen Einsatzgebieten mit bis zu 58 % weiterhin hoch (2). Faktoren mit schlechter Prognose auch unter ECMO-Therapie sind eine chronischen Niereninsuffizienz, ein präexistentes Multiorganversagen einschliesslich langer Beatmungszeiten, eine kongenitale Herzerkrankung, niedrige Pulsamplituden und ein niedriges Serumbicarbonat sowie eine vorhergehende kardiopulmonale Reanimation. Es wurden Scores für die Abschätzung der Überlebenswahrscheinlichkeit beim Einsatz der ECMO vorgeschlagen, die jedoch weiter evaluiert werden müssen (2). Ebenso fehlen noch große randomisierte, kontrollierte Studien, welche die optimale Patientenpopulation für den Einsatz der ECMO charakterisieren, und Kosten-Nutzen-Analysen zu dieser Intervention. Trotz mobiler ECMO-Teams können die Systeme derzeit noch nicht jedem Patienten offeriert werden, weil sie noch nicht ubiquitär zeitnah verfügbar sind (3). Die mechanischen Unterstützungssysteme sind ein hoffnungsträchtiger, solitärer Baustein im Gesamtkonzept der Therapie des kardiogenen (infarktbedingten) Schocks (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0040

Prof. Dr. med. Stefan B. Felix, Dr. med. Astrid Hummel,
Dr. med. Klaus Empen; Prof. Dr. med. Marcus Dörr

Universitätsmedizin Greifswald, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B, Greifswald

innereb@uni-greifswald.de

Interessenkonflikt

Prof. Felix erhielt Honorare für eine Beratertätigkeit von Novartis und Cardioventris. Er erhielt Erstattung von Kongressgebühren, Reise- und Übernachtungskosten von Bayer, Sanofi, Novartis und Pfizer sowie Honorare für einen Vortrag von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von Novartis und Bayer. Für die Durchführung von klinischen Auftragsstudien, bei denen ein Bezug zum Thema besteht, bekam er Honorare auf ein Drittmittelkonto sowie Gelder für ein von ihm initiiertes Forschungsvorhaben von Bayer und Novartis. Er bekam Gelder für die Durchführung von klinischen Studien von Bayer, Cardioventis und Novartis.

Prof. Empen, Prof. Dörr Dörr und Dr. Hummel erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Vamos M, Erath JW, Hohnloser SH: Digoxin-associated mortality: a systematic review and meta-analysis of the literature. Eur Heart J 2015; 143. (Epub ahead of print) CrossRef
2.
Schmidt M, Burell A, Roberts L, et al.: Predicting survival after ECMO for refractory cardiogenic shock: the survival after veno-arterial-ECMO (SAVE)-score. Eur Heart J 2015; 194. (epub ahead of print CrossRef
3.
Abrams D, Combes A, Brodie MD: Extracorporeal membrane oxygenation in cardiopulmonary disease in adults. J Am Coll Cardiol 2014; 63: 2769–78 CrossRef MEDLINE
4.
Pöss J, Vollert JO, Böhm M, et al.: Infarktbedingter kardiogener Schock. Kardiologe 2014; 8: 302–12 CrossRef
5.
Hummel A, Empen K, Dörr M, Felix SB: De novo acute heart failure and acutely decompensated chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 298–310 VOLLTEXT
1.Vamos M, Erath JW, Hohnloser SH: Digoxin-associated mortality: a systematic review and meta-analysis of the literature. Eur Heart J 2015; 143. (Epub ahead of print) CrossRef
2.Schmidt M, Burell A, Roberts L, et al.: Predicting survival after ECMO for refractory cardiogenic shock: the survival after veno-arterial-ECMO (SAVE)-score. Eur Heart J 2015; 194. (epub ahead of print CrossRef
3.Abrams D, Combes A, Brodie MD: Extracorporeal membrane oxygenation in cardiopulmonary disease in adults. J Am Coll Cardiol 2014; 63: 2769–78 CrossRef MEDLINE
4.Pöss J, Vollert JO, Böhm M, et al.: Infarktbedingter kardiogener Schock. Kardiologe 2014; 8: 302–12 CrossRef
5.Hummel A, Empen K, Dörr M, Felix SB: De novo acute heart failure and acutely decompensated chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 298–310 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote