ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2016Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom: Progressionsfreies Überleben mit Cabozantinib signifikant verlängert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom: Progressionsfreies Überleben mit Cabozantinib signifikant verlängert

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Therapieoptionen bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (RCC) haben sich erweitert: von den Zytokinen hin zu Inhibitoren des vaskulären Wachstumsfaktors (VEGF/VEGFR), des mammalian target of rapamycin (mTOR) und Immun-Checkpoints wie CTLA-4 oder PD-1. Zwar hat sich die Lebenserwartung der Patienten erhöht, aber Resistenzen sind häufig. Das progressionsfreie Überleben (PFS) liegt bei Erstlinientherapie zwischen 8–11, in der Zweitlinientherapie bei 3–5 Monaten.

Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom
Grafik
Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom

Der Multikinaseinhibitor Cabozantinib hemmt mehrere Tyrosinkinasen, darunter MET, VEGFR und AXL. MET und AXL sind beim Klarzellkarzinom hochreguliert als Folge einer Inaktivierung des Tumorsuppressorproteins von Hippel-Lindau. In einer Phase-3-Studie wurden 658 Patienten mit fortgeschrittenem Klarzellkarzinom und mindestens einer Anti-VEGFR-Vorbehandlung randomisiert in eine Gruppe, die Cabozantinib (60 mg/Tag) erhielt und eine zweite mit Everolimustherapie (10 mg/Tag).

Primärer Endpunkt war das PFS. Es betrug unter Cabozantinib median 7,4 Monate und 3,8 Monate unter dem mTOR-Inhibitor. Das Risiko für Progress oder tumorbedingten Tod wurde mit Cabozantinib um 42 % gegenüber Everolimus reduziert (Hazard Ratio [HR]): 0,58; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,45–0,75; p < 0,001). Eine geplante Interimanalyse zum Gesamtüberleben ergab einen Vorteil für Cabozantinib (HR für Tod: 0,67; 95-%-KI: 0,51–0,89; p = 0,005), die Unterschiede erreichten aber nicht den für eine statistische Signifikanz errechneten p-Wert von ≤ 0,0019. Schwere unerwünschte Effekte (Grad 3–4) wurden bei 68 % der Cabozantinibtherapierten festgestellt, vor allem Hypertonie, Diarrhöe und Fatigue, und bei 58 % unter Everolimus, vor allem Anämie, Fatigue, Hyperglykämie. Die Nebenwirkungen ließen sich meist durch Dosisreduktionen kontrollieren. 9 % unter Cabozantinib und 10 % im Everolimusarm brachen die Therapie ab.

Fazit: Der Multikinaseinhibitor Cabozantinib verdoppelt in der Zweit- oder Drittlinientherapie das PFS von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom gegenüber Everolimus. „Für viele sicher überraschend ist das gute Abschneiden von Cabozantinib beim PFS und bei der Gesamtansprechrate“, kommentiert Prof. Dr. med. Viktor Grünwald von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Viel erstaunlicher ist der Trend beim Gesamtüberleben, der eventuell mit weiterer Nachbeobachtung Signifikanz erreichen könnte. Insgesamt ist das Ergebnis der Studie positiv und wird in der Zukunft das Armamentarium der Therapie des RCC verstärken. Offen ist, wie die beste Reihenfolge der Substanzen inklusive der Immuntherapien sein sollte.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Choueiri TK, Escudier B, Powles T, et al.: Cabozantinib versus Everolimus in advanced renal-cell carcinoma. N Engl J Med 2015; 373: 1814–23.

Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom
Grafik
Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote