ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2016Risiken der Glaskörperinjektionen: Augendruckanstiege nach intravitrealen Injektionen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Risiken der Glaskörperinjektionen: Augendruckanstiege nach intravitrealen Injektionen

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Für eine Reihe von Erkrankungen der Netzhautgefäße ist in den letzten Jahren die intravitreale Gabe von Medikamenten, also die Injektion in den Glaskörper des Auges unter sterilen Kautelen, die Therapie der Wahl geworden; vor allem die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) und das diabetische Makulaödem können auf diese Weise mit VEGF-Inhibitoren wirksam behandelt werden.

Verlauf der Intraokulardruck-Werte bei Glaskörperinjektionen
Grafik
Verlauf der Intraokulardruck-Werte bei Glaskörperinjektionen

Nachdem einzelne Berichte über den – meist transienten – Anstieg die Augeninnendrucks veröffentlicht worden sind, hat jetzt eine amerikanische Studiengruppe die Häufigkeit dieser Komplikation – die potenziell zu einem Glaukom führen kann – evaluiert. 582 Augen von Patienten mit diabetischem Makulaödem wurden in zwei Gruppen randomisiert: 322 erhielten Injektionen mit dem VEGF-Inhibitor Ranibizumab zusammen mit Laserkoagulationen der zentralen Netzhaut, die übrigen 260 Augen wurden mit dem Laser behandelt und erhielten lediglich Scheininjektionen. Nach 3 Jahren unter diesen Therapieschemata fanden die Ophthalmologen bei 9,5 % der mit Ranibizumab-Injektionen behandelten Patienten einen kontinuierlich erhöhten Augeninnendruck, in der Kontrollgruppe war dies nur bei 3,4 % der Fall (Odds Ratio = 2,9). Auch war in den Augen mit erhöhtem Druck der gemessene Wert mit im Schnitt 28 mmHg in den mit Ranibizumab behandelten Augen deutlich höher als bei den scheininjizierten Augen mit im Durchschnitt 23 mmHg.

Fazit: „Die Ergebnisse der Studie bei diabetischem Makulaödem weisen darauf hin, dass wiederholte Injektionen von VEGF-Inhibitoren bei einem geringen Teil der Patienten mit Erhöhungen des Augeninnendrucks einhergehen können, wobei der zugrunde liegende Mechnismus unklar ist“, erklärt Prof. Dr. med. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. „In jedem Fall sollten unter Therapie regelmäßig Messungen des Augeninnendrucks durchgeführt und gegebenenfalls rechtzeitig eine drucksenkende Therapie initiiert werden, um sekundäre Glaukomschäden zu verhindern.“
Dr. med. Ronald D. Gerste

Bressler SB, et al.: Repeated intravitreous ranibizumab injections for diabetic macular edema and the risk of sustained elevation of intraocular pressure or the need for ocular hypotensive reatment. JAMA Ophthalmol 2015: 133: 589–97.

Verlauf der Intraokulardruck-Werte bei Glaskörperinjektionen
Grafik
Verlauf der Intraokulardruck-Werte bei Glaskörperinjektionen

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote