ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2016Evidenzbasierte Medizin: Der Sündenbock
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In einem Rundumschlag beklagen die Autoren Eichler et al. die Limitierungen empirischer Studien, die mangelnde Qualität und missbräuchliche Anwendung von Leitlinien, die schlechte Kommunikation zwischen Forschern, Ärzten und Patienten, die insuffiziente Ausbildung im Medizinstudium und anderes mehr. Und wieder einmal ist die evidenzbasierte Medizin (EbM) der Sündenbock. Aber die Anklage trifft die Falsche. Im Gegenteil, bei konsequenter Umsetzung von EbM könnten viele der beanstandeten Defizite in Forschung und Patientenversorgung behoben werden.

Dem Artikel liegt ein elementares Missverständnis darüber zugrunde, was EbM ist und was sie nicht ist. Wieder wird der Eindruck erweckt, als gebe es eine Alternative zu EbM. Sollen Entscheidungen von Ärzten, Patienten und Gesundheitspolitikern erneut wissenschaftsfrei getroffen werden? Gerade das stringente methodische Vorgehen der EbM hat erst die vielen Schwächen der klinischen Forschung aufgedeckt und sowohl in Wissenschaft und Gesundheitsversorgung Rationalisierung, Patientenorientierung und Qualitätsverbesserung befördert. Es ist ein Kernelement der EbM, die eigenen Methoden und Prozesse kontinuierlich kritisch zu überprüfen und zu verbessern. Das sehen wir auch als wesentliche Aufgabe im Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM, www.ebm-netzwerk.de).

Wir laden zur kollegialen Mitgestaltung und Weiterentwicklung der EbM ein und hier naheliegend auf unsere nächste Jahrestagung vom 3. bis 5. März 2016 in Köln. Unser EbM-zentriertes Kongressthema lautet diesmal treffend: „Gemeinsam informiert entscheiden“!

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Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser,
Vorstandsvorsitzende

Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer,
Erste Stellvertretende Vorsitzende,
Vorstand Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V., 14057 Berlin

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