ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2016Flüchtlinge: Provisorische Zwischenlösung
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Leider negieren aktuelle publizierte Lösungsvorschläge für die mit dem Zustrom von Flüchtlingen verbundenen Probleme und Herausforderungen für die medizinische Versorgung in Deutschland fast immer die in der, allerdings spärlichen, deutschen Migrationsforschung der letzten 40 Jahre gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen. Entsprechende Konzepte werden noch einmal ge- und erfunden respektive schon einmal gemachte Fehler werden wiederholt!

In diesem Zusammenhang ist es besonders enttäuschend, dass auch das DÄ relativ unkritisch Strategien zur „Überwindung von Sprachbarrieren“ als vorbildlich beziehungsweise nachahmenswert darstellt, die nachgewiesenermaßen nicht als Lösungsweg geeignet sind. Das im oben genannten Artikel von S. Seeliger dargestellte Vorgehen zur Verbesserung der Kommunikation mit minderjährigen Flüchtlingen kann allenfalls eine provisorische Zwischenlösung sein, denn es ist vielfach aus der Forschung in Deutschland und international bekannt, dass der „Einsatz“ nicht ausgebildeter oder sogenannter Ad-hoc-Dolmetscher sehr problematisch ist: Über die Sprach- beziehungsweise medizinischen Fachkenntnisse der Laiendolmetscher besteht keinerlei Kontrolle, die erforderliche Übersetzungsqualität ist damit nicht gewährleistet.

Ein solcher Lösungsweg darf nicht akzeptiert werden; es sei denn, das Patientenrechtegesetz soll für Zugewanderte beziehungsweise Patienten mit Migrationshintergrund nicht gelten und eine Patientenaufklärung „erster und zweiter Klasse“ wird (weiter) hingenommen.

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Auch wenn es in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren nicht gelungen ist, einen landesweiten Dolmetscherdienst zu installieren, sollten nicht erneut untaugliche Lösungswege beschritten und als nachahmenswert dargestellt werden.

Prof. Dr. med. Matthias David, Klinik für Gynäkologie,
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-
Klinikum, 13353 Berlin

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