ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2016Zikavirus-Infektionen: Risiko für Schwangere

MEDIZINREPORT

Zikavirus-Infektionen: Risiko für Schwangere

Dtsch Arztebl 2016; 113(4): A-137 / B-116 / C-116

Hibbeler, Birgit

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Einige Länder in Lateinamerika verzeichnen aktuell eine hohe Zahl an Infektionen mit dem Zikavirus. Besonders Brasilien ist betroffen. Dort gibt es zugleich eine starke Häufung von Mikrozephalie bei Neugeborenen.

Mikrozephalie bei einem Baby in Brasilien: Als Ursache ist eine Zikavirus-Infektion der Mutter während der Schwangerschaft wahrscheinlich. Foto: picture alliance
Mikrozephalie bei einem Baby in Brasilien: Als Ursache ist eine Zikavirus-Infektion der Mutter während der Schwangerschaft wahrscheinlich. Foto: picture alliance

Seit einigen Monaten verzeichnen die Behörden in Brasilien eine ungewöhnliche Häufung von Mikrozephaliefällen bei Neugeborenen. Die Situation ist so dramatisch, dass die Regierung im November den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hat. Die am 17. Januar von der Pan American Health Organisation (PAHO) veröffentlichten Daten zeigen jetzt das Ausmaß: Im Jahr 2015 wurden in Brasilien 3 530 Fälle von Mikrozephalie registriert. Bislang trat diese Fehlbildung durchschnittlich mit 163 Fällen pro Jahr auf (Zeitraum von 2010 bis 2014). Ein Großteil wurde im Nordosten Brasiliens beobachtet – und zwar in Regionen, in denen einige Monate zuvor Ausbrüche von Zikavirus-Infektionen labordiagnostisch nachgewiesen worden waren. Man vermutet nun, dass eine Infektion der Mutter während der Schwangerschaft zu Mikrozephalie führen kann.

„Gesichert ist der Zusammenhang noch nicht“, sagt Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. „Es deutet aber sehr viel darauf hin.“ Schmidt-Chanasit verweist auf einen Zika-Ausbruch in Französisch-Polynesien 2013/2014. Auch dort kam es gehäuft zu Mikrozephaliefällen.

Eine Gefährdung wird vor allem im ersten und zweiten Trimenon vermutet. Doch das ist nicht abschließend geklärt. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten daher grundsätzlich vorsichtig sein. „Wir verstehen so wenig von dieser bisher vernachlässigten Erkrankung, dass man nichts sicher ausschließen kann“, erläutert Schmidt-Chanasit. Das müsse jetzt alles aufgeholt werden. Ganz offenbar habe das Zikavirus ein höheres Gefährdungspotenzial als bislang angenommen. Man wisse sicher, dass eine bestimmte genetische Linie für die Ausbrüche verantwortlich sei, und zwar die asiatische. Die afrikanische Linie habe bisher keine Ausbrüche verursacht.

Ebenso wie die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) rät Schmidt-Chanasit Schwangeren, Reisen in Gebiete mit Zika-Ausbrüchen zu vermeiden. Zumindest solle der Höhepunkt eines Ausbruchs abgewartet werden, damit eine Herdimmunität herrscht, so der Tropenmediziner. Nach einer durchgemachten Zikavirus-Infektion bestehe lebenslange Immunität. Sollte eine Reise nicht zu vermeiden sein, sei auf einen konsequenten Mückenschutz zu achten. Wichtig sei vor allem eine reisemedizinische Beratung. Eine Impfung gibt es bislang nicht.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Epidemiologisches Bulletin des RKI zum Zikavirus und weitere Informationen: http://d.aerzteblatt.de/ZR51

Zikavirus

Das Zikavirus gehört zu den Flaviviren. Isoliert wurde es erstmals 1947 aus einem Affen im Zika-Wald, Uganda. In den letzten Jahrzehnten trat es vorwiegend in Asien auf.

2015 wurde das Zikavirus in Brasilien nachgewiesen. Es soll mit der WM 2014 eingeschleppt worden sein. Aktuell ist es in 18 Ländern Mittel- und Südamerikas aufgetreten. Das Virus wird durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti übertragen. Als Vektor kommt aber auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopticus) infrage.

Die Infektion verläuft in der Regel milde. Erkrankte zeigen einen Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie eine nichteitrige Konjunktivitis. Postinfektiös sind Fälle des Guillain-Barré-Syndroms beschrieben.

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