ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1996Paul-Klee-Ausstellung: Die letzte Reise

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Paul-Klee-Ausstellung: Die letzte Reise

Paul, Christiane

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LNSLNS Zwei blaue, runde, große Augen mit schwarzen Pupillen schauen nach links. Der rote Mund läuft von rechts nach links spitz zu. Die Ohren sind zwei schwarze Notenschlüssel. Die Gesichtskonturen auf dem beigefarbenen Papier bestehen aus zwei bis drei dicken Pinselstrichen mit hellblauer Wasserfarbe. Die Linie am Hals ist mit schwarzer Farbe verstärkt. "Leontine" heißt das Aquarell von Paul Klee, das in der Ausstellung "Die Zeit der Reife" in Mannheim hängt.
Auf das Wesentliche hat sich Klee bei dieser Zeichnung konzentriert, und doch wirkt sie lebendig. "Wieviel Glück in ein paar Linien liegen kann", schreibt er in einem Brief aus der Entstehungszeit.
Paul Klee ist mit seinen phantasievollen Gestalten und Formen bekannt geworden. Bevor er 1914 auf seiner Tunisreise die Farbe entdeckte und anfing zu malen, arbeitete er als Zeichner. Viele Elemente, wie Buchstaben, Zeichen und Symbole, sind in seinen Bildern vorhanden.
Walter Gropius rief Klee 1921 als Meister ans Bauhaus nach Weimar. Dort arbeitete er mit Itten und Kandinsky zusammen. In seinem theoretischen Unterricht lehrte er seine "Bildnerische Formenlehre". Nach zehn Jahren verließ er das Bauhaus, weil er sich "in erster Linie als produzierender Künstler" verstand, und ging als Lehrer an die Düsseldorfer Akademie. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten als "entarteter" Künstler fristlos entlassen und emigrierte nach Bern.
In dieser schwierigen Situation entstanden nur wenige Werke. Eine große Retrospektive 1935 in Bern änderte nichts an seiner Lage. Es verschlimmerte sich noch, als Klee im selben Jahr an progressiver Sklerodermie erkrankte. Er hörte auf zu malen. Im darauffolgenden Jahr entstanden nur 25 Bilder. 1939, ein Jahr vor seinem Tod, steigerte er sich dann doch noch auf mehr als 1 200 Werke.


140 Gemälde
Aus dem Besitz der Familie Klee stammen 140 Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus den 20er und 30er Jahren in der Ausstellung. Im Anschluß wird die gesamte Sammlung in Bern öffentlich zugängig gemacht und wahrscheinlich danach nicht mehr außerhalb zu sehen sein.
Die Ausstellung ist bis zum 16. Juni 1996 in der Städtischen Kunsthalle Mannheim, Moltkestraße 9, 68165 Mannheim, zu sehen. Der Katalog kostet 42 DM in der Ausstellung.
Lobenswert ist der dazu erschienene farbige Ausstellungsführer für Kinder aus dem Prestel-Verlag, der für 19,80 DM an der Museumskasse erhältlich ist.
Christiane Paul

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