ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1999Hausärzte: Ernüchternde Bilanz

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Hausärzte: Ernüchternde Bilanz

Dtsch Arztebl 1999; 96(21): A-1369 / B-1169 / C-1049

Maus, Josef

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LNSLNS Die Stunde der gesundheitspolitischen Wahrheit rückt näher - auch für die bislang auf die Politik hoffenden Hausärzte. Unmittelbar vor der Bundestagswahl im vergangenen Herbst hatte Prof. Dr. med. KlausDieter Kossow, der Vorsitzende des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA), unter den diversen Angeboten der politischen Köche eine "rot-grüne Koalitionssuppe" als die wahrscheinlich gehaltvollste für die hungrigen Hausärzte ausgemacht. Die gewünschte "Suppe" steht nun schon eine Weile auf dem Herd, und soeben werden die Löffel verteilt.
Klar ist, daß sich bei nahezu allen Betroffenen die rechte Freude an dem Menü nicht einstellen will. Doch wie schmeckt’s den Hausärzten? Sterne verteilt Gastronomiekritiker Kossow keineswegs. Doch ebensowenig zeigte sich der BDA-Vorsitzende bei der jüngsten Delegiertenversammlung seines Verbandes (am 8. Mai in Frankfurt/Main) zu einem Verriß bereit. Die Hausärzte sind zweifellos ernüchtert, aber sie hoffen noch.
Von den ursprünglich hochgesteckten Erwartungen an die Gesundheitsreform der neuen Regierung ist nach Lage der Dinge herzlich wenig geblieben: Es wird weder eine Hausarzt-Sektion innerhalb der Kassenärztlichen Vereinigungen noch ein eigenes Verhandlungsmandat mit den Krankenkassen geben. Das Primärarztsystem liegt nach wie vor in weiter Ferne, selbst die Einführung von freiwilligen Hausarztmodellen mit Anreizen für die Versicherten ist ganz in das Ermessen der Krankenkassen gestellt. Was also bleibt? Die hausärztliche Versorgung soll einen eigenen Vergütungsanteil erhalten, allerdings um den Preis eines verstärkten Einflusses der Krankenkassen auf die Honorarverteilung. Der Gliederungsauftrag in eine haus- und fachärztliche ambulante Versorgung soll präzisiert, die Entscheidung für oder gegen einen Versorgungsbereich künftig unwiderrufbar sein.
Kossow sieht lediglich Ansätze für die erhoffte Stärkung der hausärztlichen Versorgung. Eine eher mäßige Bilanz, zumal auch der BDA das Global- und die Arzneimittelbudgets entschieden ablehnt. Den damit verbundenen Nachteilen für alle Kassenärzte stehen keine nennenswerten Verbesserungen für Hausärzte gegenüber. Der BDA wäre deshalb gut beraten, wieder den Schulterschluß mit der KBV und den KVen zu suchen. Die oft bemühte Geschlossenheit der Ärzteschaft ist im politischen Ringen eben mehr als nur eine Floskel. Josef Maus
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