ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1999102. Deutscher Ärztetag: Ärztliche Standpunkte zur Gesundheitsreform formulieren

POLITIK: Leitartikel

102. Deutscher Ärztetag: Ärztliche Standpunkte zur Gesundheitsreform formulieren

Korzilius, Heike

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LNSLNS Forderungen der Ärzteschaft an die Gesundheitsreform sowie Fortbildung und Rehabilitation stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Deutschen Ärztetages.
Es wird faktenresistent an Symptomen herumkuriert", lautet das Urteil von Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. med. Karsten Vilmar über den Arbeitsentwurf von Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer zur Gesundheitsreform 2000. Zwar würden zentrale Probleme angegangen, die vorgeschlagenen Lösungen sind jedoch nach Ansicht der Bundesärztekammer ungeeignet, die Strukturen im Gesundheitswesen nachhaltig zu verbessern. Um die Kritik an den Reformvorschlägen, aber auch die gesundheitspolitische Position der Ärzte zu verdeutlichen, stehen die "Grundsätze einer patientengerechten Gesundheitsreform" ganz oben auf der Tagesordnung des 102. Deutschen Ärztetages, der vom 1. bis 5. Juni in Cottbus stattfindet.
Die Ärzte sind darüber verbittert, daß ihnen bislang kaum Gelegenheit gegeben wurde, ihre Position im Gespräch mit der Ministerin zu vertreten. Vilmar wirft der Politik vor, sachgerechte Lösungsvorschläge zu ignorieren.
Beispiel: die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung. Eigentlich erstrebenswert, fürchtet die BÄK, daß mit den Vorschlägen aus dem Arbeitsentwurf der Weg für eine weitgehende institutionelle Öffnung der Krankenhäuser geebnet wird. Das Problem: Erbringen die Krankenhäuser vermehrt ambulante Leistungen, könnte dies zu Lasten der vertragsärztlichen Gesamtvergütung gehen. Deshalb hatten sowohl der 101. Deutsche Ärztetag als auch die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im vergangenen Jahr gefordert, Krankenhausärzte für definierte hochspezialisierte Leistungen persönlich zu ermächtigen. Sparen genügt nicht
Ähnlich verhält es sich mit anderen Punkten des Reformvorhabens: "Prinzipiell ja" sagt die Bundesärztekammer beispielsweise zur Positivliste für Arzneimittel oder zur Stärkung der Rolle des Hausarztes. Mit der geplanten Umsetzung ist sie jedoch alles andere als zufrieden. Ein Dorn im Auge ist der Bundesärztekammer der absehbare Machtzuwachs der Krankenkassen, denen Verträge mit einzelnen Arztgruppen oder Krankenhäusern ermöglicht werden sollen. Dies gefährde die flächendeckende medizinische Versorgung der GKV-Versicherten.
Sparen allein genügt nicht. Die Bundesärztekammer fordert vielmehr die Diskussion über Grundsätzliches, zum Beispiel über den Leistungsumfang der Gesetzlichen Krankenversicherung. "Man muß über alles reden", lautet die Devise. Dazu gehöre es auch, über die Einbeziehung anderer Einkommensarten in die Beitragsbemessung oder eine Abkoppelung der Arbeitgeberbeiträge nachzudenken.
"Es ist Aufgabe der Ärzteschaft, die Bevölkerung aufzuklären, wenn für sie Risiken durch politische Entscheidungen entstehen", befindet Vilmar. Deshalb haben mehrere Verbände von Angehörigen der Heilberufe das "Bündnis Gesundheit 2000" gegründet. Im Rahmen "seriöser Veranstaltungen", so der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, soll die Öffentlichkeit über mögliche Folgen der Gesundheitsreform informiert werden. Im Vordergrund stehe dabei die schleichende Rationierung, nicht die Honorarpolitik.
Berufspolitische Schwerpunkte beim diesjährigen Ärztetag sind Fortbildung und Rehabilitation. Dazu der Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Christoph Fuchs: "Angesichts der Dynamik in der Medizin müssen die Ärzte zu lebenslanger Fortbildung angehalten werden." Die Delegierten sollen deshalb über ein freiwilliges Fortbildungszertifikat abstimmen, das einige Kammern bereits erfolgreich eingeführt haben.
Forderungen zur medizinischen Rehabilitation liegen ebenfalls zur Abstimmung vor. Sie betreffen unter anderem eine engere Verzahnung von kurativer und rehabilitativer Medizin, die Schaffung von Reha-Leitlinien sowie eine Harmonisierung der Rechtsvorschriften. Schließlich steht in diesem Jahr die Wahl des Präsidenten der Bundesärztekammer an. Bewerber um das Amt sind derzeit der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, und der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. Heike Korzilius
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