ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2016Prävalenz der Diabetischen Retinopathie: Jeder fünfte Diabetiker in Deutschland ist betroffen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävalenz der Diabetischen Retinopathie: Jeder fünfte Diabetiker in Deutschland ist betroffen

Gerste, Ronald D.

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Netzhaut- und Makulamanifestationen von Diabetes sind die häufigste Ursache für Blindheit und hochgradigen Sehverlust bei Patienten im Alter zwischen 20 und 74 Jahren; bei Älteren ist es die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Belastbare Daten zur Prävalenz gab es aus Deutschland bisher kaum.

Im Rahmen der Gutenberg-Gesundheitsstudie werden zurzeit 15 010 Bürger im Alter von 35 bis 75 Jahren beobachtet und auf kardiovaskuläre, ophthalmologische, immunologische und psychische Aspekte untersucht. Einen Diabetes mellitus hatten 1 124 Studienteilnehmer (7,5 %); bei 27,7 % von ihnen war er nicht bekannt, die Teilnahme an der Studie führte somit zur Erstdiagnose. Bei 80 % lag ein Typ-2-Diabetes vor – erkennbar wichtigster Risikofaktor war das Gewicht: die diabetische Kohorte hatte einen mittleren Body-mass-Index (BMI) von 30,7 kg/m2.

Von 943 diabetischen Teilnehmern ließ die Qualität der Fundusfotos eine Hinterabschnittsdiagnose zu. Bei 21,7 % wurde eine diabetische Retinopathie, bei 2,3 % eine diabetische Makulopathie festgestellt. Bei 5 % der Diabetiker wurde der ophthalmologische Befund als visusbedrohend eingestuft.

Wichtigster Risikofaktor für eine Netzhautbeteiligung war außer der Dauer des Diabetes die arterielle Hypertonie mit einem relativen Risiko von 1,79. Bei visusbedrohendem Befund wurde das Übergewicht als relativer Risikofaktor mit 3,29 identifiziert. Die Studiendaten ergeben für die Gesamtzahl der Diabetiker in Deutschland, dass 257 600 Patienten ein Funktionsverlust durch fortgeschrittene Retinopathie oder AMD droht.

Fazit: „Die Daten untermauern die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit von Augenärzten und Diabetologen bei Patienten mit Diabetes mellitus“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Reinhard, Direktor der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. „Die Optische Kohärenztomographie (OCT) soll jetzt in das weitere Follow-up der Gutenberg-Gesundheitsstudie eingeführt werden. Dies ist sehr begrüßenswert, um Patienten mit diabetischer Makulopathie noch gezielter einer Behandlung zuzuführen.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Raum P, et al.: Prevalence and Cardiovascular Associations of Diabetic Retinopathy and Maculopathy: Results from the Gutenberg Health Study. PLoS ONE 2015; 10(6): e0127188.

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