ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2016Honorierung: Gründe gegen Widersprüche

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Honorierung: Gründe gegen Widersprüche

PP 15, Ausgabe Februar 2016, Seite 75

Beer, Reinhold

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Herr Martin trennt die Aufgaben und Zuständigkeiten des „ Erweiterten Bewertungsausschusses“ (EBA) bezüglich Honoraranpassung von der des Bundessozialgerichtes und verteidigt unter anderem die Nichteinbeziehung der nicht genehmigungspflichtigen Leistungen.

Damit verkennt er einerseits, dass der EBA aus rechtlicher Sicht sehr wohl über das hinausgehen darf, was Gerichte festlegen. Zum anderen wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, den unhaltbaren Zustand zu beenden, eine probatorische Stunde mit circa 25 Euro weniger (entspricht circa 30 Prozent) zu vergüten als eine „genehmigte“ Stunde, was weder fachlich noch wirtschaftlich zu rechtfertigen ist.

Viele Klienten, besonders Jugendliche in Krisensituationen, können oft in kurzer Zeit behandelt werden. Dies führt bei mir zu erheblichen Einbußen und ist weiterhin extrem unwirtschaftlich.

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Herr Martin macht es sich zudem sehr einfach, wenn er unterstellt, dass diejenigen, die keine Widersprüche eingelegt hätten, „implizit deutlich machen, dass ihm/ihr ein höheres Honorar nicht ganz so wichtig ist“. Belege für diese Behauptung führt er nicht an. Er verbindet dies jedoch damit, an alle Nichtwidersprüchler eine Schelte auszuteilen, denn sie „erschweren den Berufsverbänden“ die Arbeit. Ich gehöre zu jenen, die keine Widersprüche einlegten, jedoch aus völlig anderen Gründen, als die von Herrn Martin unterstellten.

Ein ganz einfacher Grund bei mir ist zum Beispiel, dass ich es nicht so gerne mag, Dinge über Jahre mit ungewissem Ausgang offenzuhalten. Dann gibt es ähnlich wie bei Einkommenssteuerbescheiden bei den Abrechnungsbescheiden umfassende Hinweise, in welcher Hinsicht derselbe als vorläufig zu betrachten sei, so dass man davon ausgehen kann, eine spätere Honoraranpassung wird automatisch umgesetzt. Mein Rechtsverständnis sagt mir, dass eine von einem Gericht auferlegte Honoraranpassung grundsätzlich für alle Psychotherapeuten zu gelten hat und demzufolge auch für alle angewandt wird. Diese Rechtsauffassung mag naiv oder unzutreffend sein, sie ist jedoch auch eine Vertrauenserklärung an die Kassenärztliche Vereinigung (KV). (...)

Die Logik von Herrn Martin wäre, dieser KV ständig zu misstrauen und Bescheide anzufechten. Was bewirkt eigentlich ein Widerspruch, der abgelehnt wird. Ist es dann Pflicht, einen Prozess durchzuführen? Und wie verhält man sich in der jetzigen Situation? Ist dieser oben genannte Beschluss nun wirklich korrekt oder muss man weiterhin Widerspruch einlegen, weil vielleicht in drei Jahren ein anderes Urteil gefällt wird? Kann man dann überhaupt einmal mit einer Quartalsabrechnung abschließen? Soll man immer alles offenhalten? Vielleicht erinnern diese Fragen auch an andere Lebensumstände, die wir und häufig auch Klienten haben.

Diese ganzen Fragen bringt Herr Martin auf den Nenner „ist mir nicht wichtig“.

Damit qualifiziert er eine ganze Gruppe von Kolleginnen und Kollegen ab. (...)

Reinhold Beer, Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeut, 83512 Wasserburg/Inn

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