ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2016Honorare II: Frustrane Erfahrungen
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Dem Kollegen Norbert Bowe gebührt Dank für seinen Kommentar der offenen Worte zum „Schweigen“ des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG).
Dazu eine vereinfachte „Verhaltensanalyse“: Das BMG bewertete offensichtlich (kognitiv) den Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses vom 22. September 2015, der insgesamt dreieinhalb Jahre auf sich warten ließ, als nicht zu beanstanden. Und „winkte“ diesen (behavioral) somit als in Ordnung „durch“. Was als Konsequenz möglicherweise ein Vermeidungsverhalten seitens des BMG insofern kennzeichnet, als man (emotional) dieses Verhalten etwa von der Sorge/Angst geprägt vermuten könnte, bei anderer Entscheidung ungewollt in konfliktuöse politische Verwicklungen innerhalb des Gesundheitssystems geraten zu können (siehe Bowe: „fehlender politischer Mut“).

Als kollektive Reaktion triggerte das Nichteingreifen des BMG bei den Psychotherapeuten die jahrelange frustrane Erfahrung von nicht umgesetzten BSG-Urteilen bezüglich angemessener Honorare, von nicht eingehaltenen Zusagen von Verteilungsgerechtigkeit wie zum Beispiel vom KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Gassen anlässlich eines Protestes der Psychotherapeuten auf der KBV-VV am 26. Mai 2014: „Wir unterstützen Ihre Forderungen nach Honorargerechtigkeit in vollem Umfang.“ Oder beispielsweise die bis heute uneingelöste Ansage von KVNO-Chef Dr. Potthoff auf der KV-Homepage vom 23. September 2011 unter der Überschrift „Versorgungsgesetz soll gleiches Geld für gleiche Leistung garantieren“: „... Und uns geht es um faire Honorierung der Leistungen, die unsere Vertragsärzte und -psychotherapeuten Tag für Tag für ihre Patienten in der ambulanten Versorgung erbringen ....“ Aktuell kam es in der Folge (emotional) zu nicht unerheblicher Enttäuschung und Empörung aufseiten der Psychotherapeuten sowie (kognitiv) zu großem Unverständnis im Wissen um die Rechtswidrigkeit dieses vom BMG unbeanstandeten Beschlusses, der die gesetzlichen und gerichtlichen Vorgaben missachtet und die im GKV-VSG angelegte Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung behindert, was (behavioral) einmal mehr den langwierigen Gang vor das Bundessozialgericht dringend erfordert.

Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses beweist, dass die Gemeinsame Selbstverwaltung von KBV und Krankenkassen nicht bereit ist, den Psychotherapeuten die „angemessene Vergütung je Zeiteinheit“ zu gewährleisten. Die Psychotherapeuten fordern von der Politik eindeutig definierte Vorgaben zur Bestimmung der angemessenen Vergütung zusammen mit einzuhaltenden Prüfungsfristen, so dass diese von der Selbstverwaltung nicht mehr ignoriert werden können. Und sie erwarten, dass das BMG seiner ihm obliegenden Aufsichtspflicht nachkommen möge.

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Dipl.-Psych. Regine Posé, 50674 Köln

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