ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2016Emotionen in der Therapie: Heilsames und förderliches Weinen

Referiert

Emotionen in der Therapie: Heilsames und förderliches Weinen

PP 15, Ausgabe Februar 2016, Seite 79

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Gelegentlich brechen Patienten in einer Psychotherapie in Tränen aus. Welche Patienten zum Weinen neigen und aus welchen Gründen sie weinen, haben amerikanische Psychologen um Kristen Capps von der Adelphi University (USA) anhand von 52 Psychotherapiepatienten untersucht, die mit psychodynamischer Psychotherapie wegen verschiedener psychischer Erkrankungen behandelt wurden. Zehn Patienten brachen während einer Sitzung in Tränen aus. Zum Weinen neigten vor allem weibliche Patienten, die unter Depressionen, Ängsten oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung litten, Probleme mit der Emotionsregulation aufwiesen oder in der Kindheit missbraucht worden waren. Auslöser für das Weinen waren Anforderungen in der Therapiesitzung, die von bestimmten Interventionen hervorgerufen wurden, wie zum Beispiel von der Aufforderung, seine Gefühle auszudrücken oder sich mit unangenehmen Emotionen zu beschäftigen. Darüber hinaus trieben das Umdeuten eingefahrener Denkmuster und Verhaltensweisen, die Neubewertung von Einstellungen sowie die Arbeit mit Wünschen, Fantasien und frühen Erinnerungen den Patienten die Tränen in die Augen. „Das Arbeitsbündnis blieb aber trotz des Weinens stabil“, berichten die Autoren. Die Studie kann nach Meinung von Capps und Kollegen dazu beitragen, Psychotherapeuten bewusst zu machen, dass bestimmte Interventionen bei bestimmten Patienten zu Gefühlsausbrüchen führen können. Tränen in der Psychotherapie sollten deshalb aber nicht vermieden werden, weil sie eine emotionsregulierende Wirkungen hätten und den Weg für Verhaltensänderungen frei machen könnten. Dass die Patienten dies aber selbst als heilsam und förderlich empfinden, wird dadurch deutlich, dass sie dem Therapeuten nicht ihr Vertrauen entziehen und die Therapie fortsetzen. ms

Capps K, Fiori K, Mullin A, Hilsenroth M: Patient crying in psychotherapy. Clinical Psychology and Psychotherapy 2015; 22(3): 208–20.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema