ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1999Börsebius zu Gazprom: Blue Chip der Zukunft

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Gazprom: Blue Chip der Zukunft

Dtsch Arztebl 1999; 96(22): [60]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die Börsenhausse kommt in die Jahre, manche Experten meinen gar, sie sei überreif. Das ist wohl wahr, viele der großen internationalen Standardwerte sind heute dermaßen teuer, daß Kursphantasie kaum noch aufblühen mag, die Rückschlaggefahr indes um so größer wird, je länger das Zinstal durchschritten ist.
Bei dieser Konstellation lohnt es sich durchaus, darüber nachzudenken, ob sich nicht doch die eine oder andere Aktie fände, die, heute noch unbeachtet, bereits morgen ein Börsenstar werden könnte.
In diese Kategorie ist, gar keine Frage, die russische Gazprom einzuordnen. Bei diesem Unternehmen handelt es sich nicht um irgendeinen Hinterhoftitel, sondern um die größte Gasfirma der Welt - und nebenbei bemerkt, so ziemlich das einzige, was in Rußlands Krisenwirtschaft derzeit richtig funktioniert.
Was kaum jemand weiß: Gazprom hat heute schon die größten Energiereserven der Welt und fördert mit 550 Milliarden Kubikmeter Gas mehr als alle amerikanischen Produzenten zusammen. Exxon (Esso), auch nicht grade ein kleiner Krauterladen, bringt es mal eben auf 60 Milliarden. Darüber hinaus verfügen die Russen über ein hochentwickeltes Pipelinenetz, und sie verweisen mit vergleichsweise niedrigen Produktionskosten ihre Konkurrenten auf dem Weltmarkt deutlich in die Schranken.
Die dunkle Seite der Medaille darf aber nicht unbeachtet bleiben. Im russischen Binnenmarkt kämpft Gazprom mit der dort herrschenden erbärmlichen Wirtschaftskrise. Dort ist kaum jemand in der Lage, seine Gasschulden zu bezahlen.
Gleichwohl läßt der Kreml die Gazprom-Kassen immer wieder kräftig zur Ader, weil dort einerseits alte Seilschaften bedient werden müssen und Gazprom zum anderen eh nur eines der wenigen Unternehmen im Lande ist, das überhaupt willens und in der Lage ist, Steuern in größeren Ausmaßen zu bezahlen. Kein Wunder also, daß die Finanzlage bei Gazprom mehr als angespannt ist und die hohen Auslandsschulden zudem nur schwer zu schultern sind.
Dennoch: Wer einen mittelfristigen Blick nicht scheut, kann sich dem Reiz der Gazprom-Aktie (aktueller Kurs 11 Euro, Wertpapierkenn-Nr. 90 32 76) nicht verschließen. Auf Sicht von sieben Jahren hat die Aktie ohne weiteres ein Potential von 30 Euro, das Risiko eines Totalverlustes ist allerdings zu beachten, falls in Rußland die Wirtschaftsreformen nicht greifen.
Ich persönlich glaube allerdings daran, daß die Sache gutgehen kann. Immerhin schätzen mit der deutschen Ruhrgas und der BASF zwei große deutsche Konzerne Gazprom ähnlich positiv ein. Beide Unternehmen haben sich an der Gazprom beteiligt. Gewiß kein schlechtes Zeichen. Börsebius
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