ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2016Zikavirus-Infektionen: Was diagnostisch zu beachten ist

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Zikavirus-Infektionen: Was diagnostisch zu beachten ist

Hibbeler, Birgit

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Alle Verdachtsfälle bei Reiserückkehrer sollten abgeklärt werden. Eine Meldepflicht gibt es bisher nicht.

Foto: picture alliance
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Bislang ist in Deutschland bei 15 Reiserückkehrern eine Infektion mit dem Zikavirus nachgewiesen worden (Stand 5. Februar). Die Fälle stehen im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruchsgeschehen in Mittel- und Südamerika. Das teilte Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg mit. Darunter sei aber keine Schwangere gewesen, sagte er.

In Brasilien sind im zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit Zikavirus-Infektionen gehäuft Fälle von Mikrozephalie bei Neugeborenen aufgetreten. Vermutet wird, dass eine Erkrankung der Mütter während der Schwangerschaft der Grund sein könnte.

Der Tropenmediziner Schmidt-Chanasit rät bei Verdachtsfällen grundsätzlich zur diagnostischen Abklärung – auch wenn die Zikavirus-Infektion in den meisten Fällen milde verläuft und es keine kausale Therapie gibt. Die Möglichkeit einer sexuellen Übertragung sei beschrieben. Unklar sei aber, unter welchen Voraussetzungen und bei welcher Viruslast eine solche möglich sei. „Wir haben keine Daten dazu, wie lange die Viren im Sperma vorhanden sein können“, erläuterte Schmidt-Chanasit. Insofern sei es ratsam, eine Infektion auch bei Männern auszuschließen.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist das BNITM die einzige Einrichtung in Deutschland, die eine verlässliche Zikavirus-Serologie anbietet. Ärzte können Probematerial direkt an das Tropeninstitut (www.bnitm.de) schicken oder aber an das Labor, mit dem sie gewöhnlich zusammenarbeiten. Dieses leitet die Probe dann weiter.

Benötigt werden zur Diagnostik eine Blut- und eine Urinprobe. Zu Beginn der Erkrankung ist ein PCR-Virusnachweis möglich. Die virämische Phase ist jedoch kurz. Im Urin sind die Viren etwas länger nachweisbar. Ab der vierten Krankheitswoche ist nur noch ein Antikörpernachweis möglich, für den eine Blutprobe benötigt wird. Eine Meldepflicht für Zikavirus-Infektionen gibt es bislang nicht.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Tagesaktuelle Informationen zu Zika: www.aerzteblatt.de/nsw/zikavirus

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