ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1999Information: Unentbehrlich

SPEKTRUM: Fernseh-Tipp

Information: Unentbehrlich

Dtsch Arztebl 1999; 96(22): A-1455 / B-1238 / C-1161

Boxberg, Christoph von

Zu dem Beitrag "Umfrage zur Patienteninformation: ,Was man schwarz auf weiß besitzt . . .'" von Prof. Dr. med. Michael Linden et al. in Heft 14/1999:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ich pflichte Ihnen sehr bei, daß nicht allein die mündliche Information von Patienten, sondern insbesondere bei etwas umfangreicheren Themen auch die schriftliche Information sehr wichtig ist. In Ihrem Bericht sind aber meines Erachtens wichtige Gründe für eine schriftliche Informationsweitergabe nicht ausreichend diskutiert worden: vier Punkte möchte ich hierbei besonders hervorheben.
Erstens die Zeitknappheit. Wie Sie wissen, stehen medizinische Beratungen unter erheblichen wirtschaftlichen Zwängen. Diese können sich für Patienten mit mehreren parallelen Krankheiten besonders nachteilig auswirken. Manchmal kann man Patienten mit zusätzlichen Beratungserschwernissen wie höheres Alter, fremde Sprache, fehlende Bildung oder Ängsten ("kann man nicht mit alternativen Methoden . . .") in der zur Verfügung stehenden Zeit mit einer mündlichen Beratung nicht mehr gerecht werden.
Zweitens die Merkfähigkeit. Jeder kennt Situationen, daß er selbst in komprimierter Form über ein fremdes Gebiet informiert wird. Wer ist aber zum Beispiel eine Stunde später noch in der Lage, mehr als einige wenige Punkte wiederzugeben?
Drittens die eingeschränkte Aufmerksamkeit. Patienten gehen oft in Arzt-Patienten-Kontakte mit einer ängstlichen Erwartung (Krankheiten sind nun mal nichts besonders Erfreuliches) und sind dadurch in ihrer Aufnahmefähigkeit für einen ungewohnten/fremden medizinischen Zusammenhang eingeschränkt beziehungsweise blockiert.
Und viertens die Medizinpädagogik. Da leider die Vermittlung fernliegender Dinge im Schul-(Biologie-)
Unterricht wichtiger ist als ganz naheliegende Themen wie Kenntnis grundlegender medizinischer Zusammenhänge, rationaler gesunder Lebensstil oder Krankheitsprophylaxe, muß der Arzt auch als Lehrer- und Schulersatz tätig werden. Weiterhin muß er zur Selbsthilfe bei einfachen Gesundheitsproblemen (Rationierung des Gesundheitswesens) erziehen.
Bei diesen überaus häufigen Situationen sind gut gemachte und strukturierte schriftliche Informationen nicht nur hilfreich, sondern zur suffizienten Information mündiger Patienten unentbehrlich. Kritisch sollte man unbedingt den (oft hochglänzenden) Materialien von pharmazeutischen Wirtschaftsunternehmen gegenüberstehen, sie dienen immer dem Unternehmenszweck und münden allzuoft in eine Produktempfehlung. Auch die vielen Infomaterialien, die jüngere (ältere), gesunde, gebräunte und lachende Menschen in einer Urlaubssituation darstellen, finde ich persönlich unangebracht und irgendwie verdummend.
In Ermangelung geeigneter Materialien haben wir daher für unsere Praxis einen inzwischen fast 80 Themen umfassenden Satz an übersichtlichen Patienteninformationsblättern selbst entworfen und über die Jahre weiterentwickelt. Diese Materialien empfinden wir inzwischen als unentbehrlich für die tägliche ärztliche Arbeit.
Dr. med. Christoph von Boxberg, Kalkstraße 117, 51377 Leverkusen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema