ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2016Medizinstudium: Zustimmung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Zu Recht soll nach Auffassung des Wissenschaftsrates der Weg zum Arztberuf nur über ein Medizinstudium führen, das universitären Ansprüchen und „gewissen Mittelstandards“ genügt.

Beispielhaft berichtet wird über eine „Universität der anderen Art“, so die 2014 gegründete Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MBH) in Neuruppin. Bildhaft wird dargestellt, das hier unter anderem praktizierte Lehren und Lernen der Untersuchung der Muskeleigenreflexe (MER) – „Der Reflexhammer kreist von Hand zu Hand“. Dieses Untersuchungsinstrument heißt zwar Reflex„hammer“, ist aber keinesfalls wie ein Hammer zu benutzen. Eine solche Arm- und Handhaltung, als ob ein großer Nagel einzuschlagen ist, zeigt die untersuchende Studentin und das bei einer, mit Hose und Stiefeln bekleidet, angespannt sitzende Probandin. Fehlerhafter kann man diese neurologische Untersuchung nicht darstellen! Es sei denn als Beispiel dafür, wie es nicht gemacht werden darf!

Offenbar wird aber im Zeitalter bester elektrophysiologischer (EMG, NLG, SEP) sowie computer- und kernspintomographischer (CT, MRT) Untersuchungsverfahren kein besonderer Wert mehr auf den Neurologischen Untersuchungskurs („Klopfkurs“) gelegt. Erst jüngst musste ich in einer Notfallambulanz die – vergeblichen – Versuche der diensthabenden, also nicht unerfahrenen Kollegin beanstanden, bei dem noch mit Hose, Socken und Schuhen bekleideten Patienten mit heftigen Hammerschlägen den PSR und ASR auslösen zu wollen. Den – ihr nicht bekannten – Jendrassik-Kunstgriff hat sie, nachdem ich ihn gezeigt und erklärt habe, sichtlich erleichtert und erfolgreich angewandt.

Zu den privaten „Universitäten der anderen Art“ frage ich: „Wer beurteilt Inhalt und Form des dort dargebotenen Unterrichts?“

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus Mayer,
40545 Düsseldorf

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote