ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2016Digital Health: Potenziale fürs Patient Empowerment nutzen

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Digital Health: Potenziale fürs Patient Empowerment nutzen

Dtsch Arztebl 2016; 113(9): A-384 / B-326 / C-326

Krüger-Brand, Heike E.

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Der Medikamenten-Reminder, digitale Chroniker-Tagebücher, der Hörtest per Smartphone – das Angebot an digitalen Gesundheitsanwen dungen wächst.
Der Medikamenten-Reminder, digitale Chroniker-Tagebücher, der Hörtest per Smartphone – das Angebot an digitalen Gesundheitsanwen dungen wächst.

Das Angebot an digitalen Gesundheitsanwendungen für Patienten und Verbraucher wächst. Weit mehr als 100 000 Gesundheits-Apps sollen inzwischen in den App-Stores zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Webangebote und Internetseiten. Die Bertelsmann Stiftung hat vor diesem Hintergrund ein Klassifikationsverfahren für „Digital-Health-Anwendungen“ entwickelt, um eine systematische Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken von Digital Health zu ermöglichen.

Die Studie beschreibt sieben Typen von E-Health-Anwendungen und ihre jeweilige Funktion für den Nutzer. Zum Typ „Analyse und Erkenntnis“ zählen etwa Anwendungen, die Gesundheitsdaten punktuell erfassen (Beispiel: Hörtest). Der Typ „indirekte Intervention“ umfasst zum Beispiel Chroniker-Tagebücher. Ein Beispiel für den Typ „Einkauf und Versorgung“ ist die Online-Apotheke,. Basis ist ein speziell entwickeltes Klassifikationsverfahren, das es erleichtert, den bislang intransparenten Markt der Anwendungen zu analysieren.

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Die Studienautoren sehen das Potenzial von Digital-Health-Anwendungen, Patienten in ihrer Rolle zu stärken und die Versorgung zu verbessern. Die Potenziale würden derzeit allerdings noch kaum genutzt, nur wenige relevante Anwendungen werden breit eingesetzt. Auch sei der Markt für die Verbraucher weitgehend intransparent. Das gilt ihrer Ansicht nach auch für Lösungen, die als Medizinprodukte zugelassen sind.

Die Stiftung hat aus der Studie acht Thesen zum Status quo des Digital-Health-Angebots abgeleitet und in Form eines Papiers („Spotlight Gesundheit“) veröffentlicht (kostenfrei abrufbar unter www.bertelsmann-stiftung.de). In daraus resultierenden Handlungsempfehlungen fordert sie die Akteure des Gesundheitssystems – vor allem Ärzte und Krankenkassen – dazu auf, selbst aktiv zu werden, um die Potenziale von Gesundheits-Apps auszuschöpfen und Anwendungen mit echtem Patientennutzen zu etablieren. Für die breite Anwendung gelte es, Anwendungsszenarien zu entwickeln und Verfahren zum Transfer in die Regelversorgung voranzutreiben. Zudem spricht sie sich unter anderem dafür aus, die Versorgungsforschung mit Blick auf den Nutzennachweis auszubauen. Neue Technologien und ihre Auswirkungen auf das Arzt-Patient-Verhältnis sollten in der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung thematisiert werden. Außerdem müsse die Markttransparenz für Bürger und Systemakteure erhöht werden. Eine neue, an Versorgungsbedarfen ausgerichtete Debatte über den Datenschutz sei erforderlich. KBr

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