ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2016Frage der Woche an . . . Andrea Köhn, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Köhn & Kollegen:

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Andrea Köhn, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Köhn & Kollegen:

Sie haben mehr als 100 Klinikleiter danach befragt, wie sie die Fluktuationstendenzen der Führungskräfte in deutschen Kliniken wahrnehmen und was mögliche Gründe für einen Jobwechsel sind. Was haben Sie herausgefunden?

Dtsch Arztebl 2016; 113(9): [4]

Glöser, Sabine

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Sie haben mehr als 100 Klinikleiter danach befragt, wie sie die Fluktuationstendenzen der Führungskräfte in deutschen Kliniken wahrnehmen und was mögliche Gründe für einen Jobwechsel sind. Was haben Sie herausgefunden?

Köhn: In den letzten Jahren konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich das Personalkarussell von Klinikchefs immer schneller dreht. Dass Träger sich viel schneller als früher von Klinikleitern verabschieden, war in der Fachpresse oft zu lesen. Bei unseren Gesprächen hatten wir aber den Eindruck, dass die Wechsel oft von den Klinikleitern selbst ausgehen. Dies war für uns der Grund, in einer Studie die Sicht der Klinikleiter zu analysieren. Wir befragten dazu im Herbst vergangenen Jahres 119 Klinikleiter.

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Fragt man die Leiter, wie sie die Fluktuationstendenz auf der Geschäftsführungsebene der Krankenhäuser wahrnehmen, stimmen mehr als 90 Prozent der Aussage zu, dass Geschäftsführer im Gesundheitswesen häufig ausgewechselt werden. 45 Prozent meinen, dass der Arbeitgeber kündigt und 45 Prozent meinen, beide tragen gleich viel dazu bei. Fragt man sie aber nach ihrer eigenen Erfahrung, wie bei ihnen selbst das letzte Arbeitsverhältnis endete, sagen 56 Prozent, sie hätten selbst gekündigt, 18 Prozent antworten, sie hätten unternehmensintern gewechselt. 17 Prozent der Befragten sagen, dass die Kündigung im gegenseitigen Einvernehmen erfolgte und nur drei Prozent wurden gekündigt. Hier klaffen Meinung und eigene Erfahrung weit auseinander.

Alle Befragten gaben an, dass sie Klinikleiter wurden, um zu gestalten. Für 96 Prozent war unternehmerisches Tun wichtig. 90 Prozent wollten Verantwortung übernehmen (Mehrfachnennungen waren möglich). Finanzielle Anreize und sozialer Status hatten eine wesentlich geringere Bedeutung für die Berufswahl. Auch bei der Frage nach der aktuellen Motivation stehen intrinsische Faktoren im Vordergrund, wie die Möglichkeit neue Themen anzustoßen, die Arbeit selbst, Leistungs- und Erfolgserlebnisse. Eine große Bedeutung für die Motivation (Rang 3) hatte mit 94 Prozent der Nennungen der Gestaltungsspielraum.

Für uns interessant war, dass 82 Prozent der Klinikleiter mit ihrer aktuellen Position zufrieden sind, sich aber 54 Prozent der Befragten aktuell einen Arbeitsplatzwechsel vorstellen können. Dies gilt selbst für 46 Prozent der Zufriedenen, wenn sie ein anderes reizvolles Angebot erhielten. Die Studie wirft einige Fragen aus Sicht des Trägers als attraktiver Arbeitgeber für Top-Führungskräfte auf, die wir jetzt mit einigen Unternehmen diskutieren. sg

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