ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2016GOÄ-Ratgeber: Gesundheits- und eingehende neurologische Untersuchung

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GOÄ-Ratgeber: Gesundheits- und eingehende neurologische Untersuchung

Dtsch Arztebl 2016; 113(9): A-392 / B-332 / C-332

Pieritz, Anja

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Zu der korrekten Berechnung von Untersuchungsleistungen nach der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sind in der Vergangenheit bereits einige GOÄ-Ratgeber erschienen (DÄ, Heft 45/2010, 44/2013, 48/2013 und 22/2014). In diesem Zusammenhang wird der Ansatz der Nr. 800 GOÄ „Eingehende neurologische Untersuchung – gegebenenfalls einschließlich der Untersuchung des Augenhintergrundes“ neben der Nr. 29 GOÄ „Gesundheitsuntersuchung zur Früherkennung von Krankheiten bei einem Erwachsenen – einschließlich Untersuchung zur Erhebung des vollständigen Status (Ganzkörperstatus), Erörterung des individuellen Risikoprofils und verhaltensmedizinisch orientierter Beratung“ immer mal wieder hinterfragt.

Gemäß der Leistungslegende der Nr. 29 GOÄ ist eine „Ganzkörperuntersuchung“ Bestandteil derselben. Da diese dort nicht definiert ist, kann man hilfsweise die ergänzenden Bestimmungen der Nr. 8 GOÄ „Untersuchung zur Erhebung des Ganzkörperstatus, gegebenenfalls einschließlich Dokumentation“ bezüglich der Inhalte des Ganzkörperstatus heranziehen: „Der Ganzkörperstatus beinhaltet die Untersuchung der Haut, der sichtbaren Schleimhäute, der Brust- und Bauchorgane, der Stütz- und Bewegungsorgane sowie eine orientierende neurologische Untersuchung.“

Die Autoren der Kommentierung zur GOÄ nach Lang, Schäfer, Stiel unter Mitarbeit von Beitelstein („Der GOÄ-Kommentar“, Thieme Verlag) führen aus, dass wegen einer Teilleistungsüberschneidung (vergleiche § 4 Abs. 2 a GOÄ) die Nebeneinanderberechnung der Nr. 800 GOÄ neben der Nr. 8 GOÄ sowie neben der Vorsorgeleistung für Kinder nach Nr. 26 GOÄ ausgeschlossen sei. Der Ansatz der eingehenden neurologischen Untersuchung neben der Gesundheitsuntersuchung wird nicht kommentiert.

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Die Autoren der Kommentierung nach Brück et al. („Kommentar zur Gebührenordnung“, Deutscher Ärzte-Verlag) äußern sich so, dass neben den Früherkennungsleistungen kurative diagnostische und therapeutische Maßnahmen durchgeführt und abgerechnet werden könnten, wenn sich entweder aus der Gesundheitsuntersuchung ein Krankheitsverdacht ergeben habe oder die Gesundheitsuntersuchung im Zusammenhang mit einem aufgrund von Krankheitssymptomen in Anspruch genommenen Arztbesuch durchgeführt worden sei. In diesen Fällen, so die Autoren weiter, wären auch weitergehende Untersuchungs- und Gesprächsleistungen neben der Nr. 29 GOÄ berechnungsfähig. Dies betreffe beispielsweise die eingehende neurologische Untersuchung nach Nr. 800 GOÄ oder die Erörterungsleistung nach Nr. 34 GOÄ.

Die medizinische Notwendigkeit, neben einer Gesundheitsuntersuchung eine eingehende neurologische Untersuchung zu erbringen, sollte sich aus der Behandlungsdokumentation ergeben. Hinweise auf die Notwendigkeit ergeben sich für die erstattende Stelle auf der Rechnung entweder durch die Verdachtsdiagnose oder die entsprechende „Dauerdiagnose“ des Patienten. Dr. med. Anja Pieritz

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